Ziemlich unzertrennlich (#VUCA VII/3)



Homo davosiensis & homo laborans

WEALTH DRAWING, FEAR OF LOSS

(c) Frits Ahlefeldt – hikingartist.com

Was ist die Welt des homo davosiensis? Er hat den Blick auf die flache Welt von oben in Davos, wo er sich alle Jahre wieder mit Gleichgesinnten über die Zukunft der globalen Wirtschaft Gedanken macht.

Der homo davosiensis, wie Samuel Huntington in „The Clash of Civilization“ diese kleine Minderheit der globalen Entscheider bezeichnete, gehört mit zum inneren Kern der Finanz- und Wirtschaftswelt, die sich auch als global governance versteht.

Der Weltwirtschaftsgipfel in Davos, vom deutschen Unternehmer Klaus Schwab 1987 ins Leben gerufen, wurde seitdem zum erlesenen Forum der einflussreichsten Männer der Welt. Politiker und Altpräsidenten sind dort immer willkommene Festredner.

Der Begriff des homo laborans stammt von Hannah Arendt. In ihrem Werk „Vom tätigen Leben“ unterscheidet sie den kreativen Handwerker und Entwickler, den homo faber, vom animal laborans. Das Arbeitstier beschränkt sein Dasein auf die erste Ebene der drei menschlichen Grundtätigkeiten, das Arbeiten, während der homo faber alle drei Ebenen, Arbeiten, Herstellen und Handeln in sich vereint.

Der Wissensarbeiter des 21. Jahrhunderts ist weder homo faber noch animal laborans. Er ist ein homo laborans. Als Teil eines kleinen Segments weiss er nicht immer ganz genau, für wen er arbeitet, erstellt meist nur Fragmente eines Ganzen und handelt in der Kurzfristigkeit. Der Archetyp wäre der agile und mobile Projektmanager oder der freiberufliche Ingenieur.

Der homo davosiensis blickt von oben herab auf die Märkte, vor allem auf die Finanz- und Ressourcenmärkte. Vom globalen Arbeitsmarkt fühlt er sich nicht betroffen und die VUCA-Märkte sind sein Casino Global.

Der homo davosiensis braucht jedoch den homo laborans, den Wissensarbeiter, als Lösungsfinder. Er will seinen Kopf, sofern er kreativ, innovativ und erfinderisch ist, oder genau gesagt, er will Köpfe in Fusion, denn da wird vielleicht eine neue Energiequelle freigesetzt. Darum folgen seine headhunter weltweit den Startup-Events. Für innovative und lukrative Produkte und Ideen gibt es immer Venture Capital.

Der homo davosiensis weiss, dass die Zukunftslösungen nicht mehr die Ressourcen fressenden Industrien oder standardisierten Massenprodukte sind, sondern intelligente Technologien, die bedarfserzeugend entwickelt und produziert werden.

Die aber kommen nicht aus den Köpfen flach denkender Manager, sondern aus kreativen Köpfen, die vernetzt und quer denken, wenn möglich 24/7.

Der homo davosiensis weiß, dass die Wirtschaft in ihrer Wertschöpfungskette weiter diese Humanressourcen mit den menschlichen Kompetenzen braucht, weil gerade sie noch nicht durch lernende Maschinen ersetzbar sind.

Wo sind diese Phänotypen 21 sonst noch unterwegs? In den Sozialen Netzwerken, wo sich die Profis kreuzen. Aus der Masse der 4,5 Milliarden Erwerbsstätigen 2020 werden dort dank Big Data treffsicher Talentpools zusammengestellt.

Der homo laborans der Generationen YZ braucht nämlich den kollektiven und kollaborativen Schwarm. Im Zusammenspiel entfaltet sich seine Kreativität und Reaktivität.

Der homo davosiensis verfolgt darum nicht nur aufmerksam die Startup Hubs und Labs. Er fördert auch direkt und indirekt die Sozialen Netzwerke für Business. Sie vernetzen nämlich nicht nur Menschen, sie verknüpfen vor allem ihre Daten, Informationen und ihr aktuelles Wissen.

Der homo laborans des 21. Jahrhunderts, der tätige Mensch im ständigen Wissensfluss, ist wiederum auf den homo davosiensis angewiesen, so wie der Künstler der Renaissance die Gunst der Fürsten brauchte, um seine Kreativität und Innovation zu materialisieren. Auch sie waren nicht die besten Freunde, aber Pragmatiker mit unterschiedlichen Strategien.

Wie schließt sich der Kreis zwischen den wenigen hominis davosiensis, den Millionen Wissensarbeitern im globalen Wissenstransfer und den Sozialen Netzwerken für Business wie LinkedIn?

Wenn seit 2012 der Wissenstransfer aus den Eliteschmieden heraus auf dem globalen Markt und über den O3Way (Open Innovation, Open Source, Open Data) von großen amerikanischen Universitäten über Coursera, edX, skillshare, Udacity, Udemy oder Wharton College gefördert wird, so stehen dahinter spendable grosse Investoren, die Millionensummen in die Köpfe Millionen unbekannter Wissensarbeiter von morgen investieren, aus Überzeugung und Pragmatismus.

Der Zugang zum Wissen soll öffentlich und allen zugänglich sein, so Bill Gates, weil das mit einem sehr hohen Arbeitsmarktwert verbunden sei. Darum unterstützt der homo davosiensis auch direkt edX und LinkedIn fördert die Querverbindung zu Coursera. Reid Hofmann, LinkedIn Co-Founder, ist selbst Mitglied der feinen Gesellschaft der hominis davosiensis.

Die Eingangstüren zum globalen Wissen stehen seit einigen Jahren weit offen. Jeder darf am globalen Open Online- Wissenstransfer teilnehmen, sofern er neugierig, offen und aktiv denkt, handelt und arbeitet und einige Grundkompetenzen mitbringt. Für Unwissenheit gibt es künftig keine Ausreden mehr. Coursera, edX, Udemy, Udacity bekommen darum viele Millionen Dollar, um das aktuelle, nützliche Wissen weltweit zu verteilen. Im MOOC fallen alle gängigen Ausleseverfahren der Elite- und Kaderschmieden (Notendurchschnitt, Finanzierung des Studiums, Zeit und soziale Kriterien) weg, auch wenn letztere daneben weiter existieren. Binäre Zeiten haben auch binäre Systeme. Sie nähren sich aus ihnen.

Die Sozialen Medien für Business, allen voran LinkedIn in seiner Vorreiterrolle, liefern den Rahmen für die neue informelle Zertifizierung der Wissensarbeiter. Ein aufmerksamer Headhunter 2.0 schaut sich nicht mehr die Diplome an. Er will herausfinden, welches Wissen die Person in der letzten Zeit aufgenommen und wie sie es verarbeitet hat.

So entsteht das unsichtbare Band zwischen dem 2424 und dem Wissensarbeiter an der Basis, an dem die Sozialen Medien für Business fleissig mitknüpfen.


  • Stay tuned

    Der nächste Auszug folgt demnächst.


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ÜberAngelica Laurencon

Dr. Angelica Laurencon lebt und arbeitet in Berlin und Clermont-Ferrand als Mentorin und Unternehmensberaterin. Als Dozentin
für internationale Masterstudiengänge im Internationalen Management gibt sie ihr Praxiswissen an die zukünftige Managergeneration weiter und begleitet sie als Mentorin für Community Management, Learning Management Systems und Workforce Marketing.

Sie ist Gesellschafterin und Mitbegründerin von connect2communicate und Expertin für Wissenstransfer 2.0 und Learning Management im interkulturellen Kontext.

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