Wie man mit Videoproduktion in Flow kommt

Bilder sagen mehr als 1000 Worte. Aber: Wie schafft man das?

Mein Leben mit grauem Text

Während meines Studiums der Sozialwissenschaften in den 1980er Jahren lasen und arbeiteten wir ausschliesslich mit Texten. Ich möchte gar nicht wissen, wieviel Zeit meines Lebens ich vor einem Kopiergerät stehend verbracht habe, nur um irgendwelche Texte für mein interaktives, mobiles Lernen nutzen zu können. Es gab nichts anderes, keine Bilder, kein Audio, kein Video, das wir als Material für unsere Studien nutzten – es existierte nur Text, Bleiwüsten.

Der Computer als Weg in die bunte Welt

Ende der 1980er zog dann der erste Computer in meine studentische Bude. Auch dort textete ich, sei es im Code, um etwas mehr Performance raus zu kitzeln – oder im Office-Paket. So ging es weiter, es kamen Compuserve, AOL usw. usf. – das Leben wurde bunter mitsamt der spielerischen Möglichkeiten, die es einem eröffnete. Bei mir mündete es darin, dass ich mich eines Tages entschloss, die erste Multimedia-Fortbildung am Markt zu nutzen. Ich weiss nicht mehr, was genau ich erwartete, aber ein für mich unerwartetes Ergebnis dieses Jahres war die Entdeckung meiner eigenen Kreativität. 

Komplexe Kreativität erfüllt

Gut, heute weiss ich, wie komplex Kreativität eigentlich ist – und ich bin mir nicht sicher, ob jedeR künstlerisch BegabteR das Potenzial tatsächlicher Kreativität für sich selbst und sein Leben zu entfalten vermag. Sie ist ja weit umfassender als “nur” die kreative Ausdrucksform einer dekorativen Gestaltung. Für mich begann jedenfalls damals eine Entdeckungsreise in die Welt jenseits der Buchstaben, ohne die alte Welt aufgeben zu müssen. Das lag zum einen an den “neuen Medien” als solches, wie man schon damals sagte. Aber auch an den neuen sozialen Kontexten, in denen ich fortan mich bewegte. Die multimediale Welt bereicherte mein nüchternes, strukturelles Denken, das ich mit und durch Buchstaben entwickelte und auch weiter fortbilde.

Multimedialer Ausdruck mit Spass-Faktor

Mit Bildern und Audio liess sich emotional an Synapsen von Mitmenschen andocken, die man selbst nicht mit Wörtern erreichen konnte. Nicht, dass ich es nunmehr vermag, virtuos meine Welt mit Bildern und Tönen in künstlerisch wertvoller Form zu beschreiben. Das glückt mir auch nicht mit Texten. Aber für mich bieten diese medialen Ausdrucksformen eine Möglichkeit, zum einen meine Gedanken jeweils unterschiedlich zu formen und auszudrücken, die mir selbst meine Sichtweisen anders vergegenwärtigen hilft. Und, nicht unwesentlich: Es macht einfach ungeheuren Spass, eben anders als auf der rationalen Ebene sich einen Zugang zur Welt zu verschaffen und sich entsprechend anders auszudrücken.

Kommunikativer Diskurs

Im Idealfall bewirken manche dieser Äusserungen irgendetwas bei anderen Menschen, die sich damit beschäftigen (aus welchen Gründen auch immer). Nicht im Sinne, was will die Autorin mir sagen, also das klassische Kommunikationsmodell, sondern vielmehr als Anregung, selbst einen Gedanken weiterzuformen, der einem bei der Lektüre, Ansicht, Rezeption kommt – und diesen Gedankengang dann selbst multimedial weiterzuverarbeiten und wieder einzuspielen. 

Web 2.0 führt zu ikonischer Wende

Mit dem Internet steht uns ja nunmehr eine Plattform zur Verfügung, um uns auf dieser Ebene multimedial auszutauschen. Und wenn wir genauer hinschauen, ist uns allen bewusst: Text rückt zunehmend in die Bedeutungsebene, die früher dem Bild zukam. Texte werden für Meta-Ebenen verwendet – die eigentliche Kommunikation erfolgt zunehmend per Bild. Die ikonische Wende hat durch alltägliche Praxis längst Einzug gehalten. Das 21. Jahrhundert wird ganz wesentlich von der Bild-Kompetenz der beteiligten Netz-Bewohner/innen geprägt.

Macht durch Gestaltungspotenzial

Nun, was bedeutet dies für uns als Individuen und als Gesellschaft? Auf soziologischer Ebene konfigurieren sich die individuellen Welten entlang der Ausdrucksformen, die einem im eigenen Netz-Umfeld begegnen. Die subjektive Interpretation von Welt als solches generiert sich zunehmend aus diesem Pool an Bilderfluten. Und das Schöne heute ist: Man kann sich unmittelbar beteiligen an der Gestaltung dieser Welt, indem man eigene Interpretationen von Wirklichkeiten einspielt. Menschen haben mit dem Smartphone oder der Fotokamera auf einmal mächtige Werkzeuge in der Hand, mit der sie nicht nur Welt abbilden, sondern tatsächlich gestalten können – zunächst in ihrem unmittelbaren Netzwerk, als Crowd ggf. auch als gesellschaftliches Muster.

Visuelle Kompetenz zur Teilhabe

In der Folge rückt nunmehr Bildkompetenz zu einer Schlüsselkompetenz heran, die weit mehr ist als alles das, was derzeit unter “Medienkompetenz” diskutiert wird. Klar, auch die Interpretation von medial produzierter Welt sollte eingeübt werden. Viel zentraler scheint mir aber zum gegenwärtigen Zeitpunkt für uns als gesellschaftliche Kultur zu sein, selbst zu Medien-Produzent/innen aufzusteigen, eben weil darin dieses Gestaltungspotenzial steckt – auch für einen selbst. Nur Mut, mag ich so manchem gerne zurufen. Es geht nicht darum, die nächste Hollywood-Regie übernehmen zu können, sondern es geht darum, sich selbst auf minimalistischer Flamme adäquat ausdrücken zu können. Man muss keinen Videotrailer erstellen, der beim Film-Festival mithalten muss. Visuelle Alphabetisierung scheint mir hier gefordet zu sein – auf sehr vielfältigen Ebenen.

Crossmedia führt Eigen-Produktionen in die Welt hinaus

Diese Erkenntnis, sich eben nicht als Otto Normalbürgerin zu verkünsteln, sondern sich auf wesentliche Gestaltungselemente zu besinnen, verdanke ich Claudia Heydolph von crossmedial.info, die einen recht frischen Blick auf die Szene hat, da sie von einer ganz anderen Ecke kommt, aber irgendwie den Weg zu ununi.TV fand. Sie stammt aus der klassisch journalistischen, öffentlich-rechtlichen Medienschiene und widmet sich in ihren Crossmedia-Forschungen und Aktivitäten dem Medienwandel und seinen Folgen. Anders als ich, interpretiert sie Medien weiterhin als Content-Lieferanten oder “Informations-Dienstleister”, wie sie mir kürzlich schrieb. Es geht also in ihrer Sicht weiterhin darum, eine Message zu transportieren – während ich viel stärker den sozialen, gestalterischen Aspekt von Umwelt im Blick habe. Kurzum, wir beide blicken sehr unterschiedlich auf diese Entwicklungen, was mitunter sehr anstrengend ist im Diskurs 😉 Aber wir haben Schnittmengen – und da wird es sehr interessant, weil wir mit unseren gegenpoligen Kräften darauf schauen. 

Man kann das lernen und erfahren

Interessanter Weise ist eine grössere Schnittmenge unsere Konsequenz für die Praxis. Hier fanden wir sehr schnell eine gemeinsame Sichtweise, was heute erforderlich erscheint, um sich selbst visuell an der Welt 2.0 aktiv zu beteiligen – und dabei auch noch Spass zu haben. Natürlich sieht Claudia hier v.a. das Potenzial für das Selbstmarketing, da man ja seine eigenen Informationen attraktiv und fokussiert in die Welt trägt. Mir hingegen ist eher die aktive Beteiligung an unserer visuellen Umwelt wichtig, sich einzubringen mit der eigenen Interpretation und sich im Diskurs zu engagieren – das Selbstmarketing erfolgt dabei nebenbei, wenn man sich als Person auf bestimmte Fragestellungen fokussiert. Aber gut, dies sind Nuancen, wenn man sich auf die Kompetenz zur Produktion von visuellen Elementen konzentriert. Und darauf kommt es im ersten Schritt an. 

Bei ununi.TV haben wir die Ausbildung der visuellen Kompetenz zum zentralen Thema erhoben. Aus diesem Grund starten wir am 15.10.2013 mit dem ersten Online-Workshop über 3 Wochen zum Thema Crossmedia und beginnen mit “Rapid Video Producing for Youtube Starters”. Claudia Heydolph bringt ihre journalistische Video-Expertise ein, ich meine methodische Lernen 2.0-Sicht. Entsprechend verfolgen wir ein neues, agiles Lern-Konzept, dass an meine früheren Getting-learning-done-Überlegungen anschliesst. 

Flow zur Weiterentwicklung

Was ich ja empfehle im Interesse des eigenen Flows, ist, sich immer wieder über kurze Zeiträume auf einzelne Themen zu fokussieren, um die individuelle Kompetenz in diesem Feld gezielt zu stärken. Eine kleine Herausforderung suchen, sich die Fähigkeiten drauf schaffen, die es zur Bewältigung dieser nächsten Herausforderung braucht – und diese Entwicklung anschliessend für sich selbst reflektieren. Fertig ist das positive Lebensgefühl, das einen voran bringt und sich gut fühlen lässt.

Flexibles Konzept zur individuellen Anpassung

Unser Konzept ist demnach so angelegt, dass man sich komprimiert oder flexibel updaten, weiter entwickeln und gestalterisch tätig werden kann. Entweder, indem man sich dem 3-wöchigen Rhythmus live “unterwirft” und je nach eigenem Zeitbudget zwischen 3 und 8 Stunden pro Woche dem Thema konzentriert widmet. Oder, indem man sich “on demand” die Anregungen zu Gemüte führt und die Potenziale einer asynchronen Lern-Community nutzt, um je nach Zeitbudget in die Praxis einzutauchen. Das Konzept ist also individuell adaptierbar und entspricht in seiner lockeren Flexibilität dem “wilden” ununi.TV-Style, wie andere es bezeichnen und wie man ihn sonst nicht findet.

Das “wilde” ununi.TV wartet auf Dich

Wir vereinen Spass mit Kompetenz, selbstorganisiertes Lernen mit Experten-Knowhow und soziale Vernetzung mit individuellem Zuschnitt. Just like you like. Wir sind da und geben dem beiläufigen Lernen einen schönen Rahmen. 

Interesse, selbst ein gutes Youtube-Video zu erstellen?

Dann schaut vorbei in unserem EduShop. Das Angebot gibt es exklusiv oder “on demand”. Ihr könnt auch nach dem 15.10. einsteigen – man verpasst nichts, aber: Je früher, desto mehr Fun 🙂

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ÜberAnja C. Wagner

denkerin, netzwerkerin, mensch | .edu .ux .politik | co-founder of @frolleinflow & initiatorin @ununitv | weitere infos hier: http://acwagner.info

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