Wie kann man heute noch Geld verdienen?

Rifkin befand sich vor einigen Wochen auf Werbe-Tour durch Deutschland. Er warb für sein neues Buch der Null-Grenzkosten-Gesellschaft.

Jeremy Rifkin: Die Null-Grenzkosten-Gesellschaf

Jeremy Rifkin: Die Null-Grenzkosten-Gesellschaft*

Auch der Untertitel des Buches hat es in sich: Es geht um das Internet der Dinge, kollaboratives Gemeingut und den Rückzug des Kapitalismus.

Hoppla, sagen da so manche – und machen weiter wie gehabt.

Aber nehmen wir uns kurz die Zeit, worum es tatsächlich geht, denn ich denke: Es lohnt sich, die Welt zu verstehen, in die wir schreiten!

Was sind Grenzkosten?

Grenzkosten sind die Kosten, die entstehen, wenn man ein Produkt nach der ersten Erfindung nochmals herstellen will. Da es heute nahezu wurscht ist, ob man eines oder Millionen Produkte produziert, sind wir bei fast Null angelangt. Zumindest absehbar.

Oder um Jeremy Rifkin in einem Auszug seiner Null-Grenzkosten-Gesellschaft zu zitieren (via Huffington Post):

“Was Ökonomen freilich nie hatten ahnen können, war eine technische Revolution, die eine »extreme Produktivität« entfesseln könnte, die die Grenzkosten auf nahezu null zu senken vermag – was Informationen, Energie und auch viele gegenständliche Waren sowie Dienstleistungen potentiell so gut wie kostenlos, im Überfluss vorhanden und von den Märkten unabhängig macht. Genau das erleben wir im Augenblick.”


Kleiner Nachtrag zur aktuellen Entwicklung

Elon Musk präsentierte vor einigen Tagen die Produkteinführung der Tesla Powerwall im TED-Talk-Style.

Diese kleine Wandbatterie funktioniert mit regenerativen Energien (Sonne & Wind). In Verbindung mit einem dezentralen Netz soll sie ermöglichen, den gesamten globalen Energiebedarf zu dezentralisieren und von den fossilen Brennstoffen zu emanzipieren.

Pro Haus soll dies für $3.500 realisierbar sein. Soviel kostet eine Powerwall. Und sie reicht für ein ganzes Haus. Überschüssige Energie kann man ins Stromnetz einspeisen und selbst damit Geld verdienen.

Weitere Batteriefabriken kommen unterstützend hinzu. Tesla baut bereits die erste große Power-Fabrik. Und stellt seine Entwicklungen per Open Source der Welt zur Verfügung.

Das ist gross gedacht für eine kleine Batterie. Aber so sieht wahre Disruption aus. Sie beginnt in den Köpfen. Zumindest visionäre Disruption … (Übrigens ist die Powerwall aktuell ausverkauft!)


Kommen wir zurück zu Jeremy Rifkin …

Was bedeutet das für uns Erwerbstätige?

Diese gesamte Entwicklung der günstigen Grenzkosten hat massive Auswirkungen auf die Arbeitswelt – wir spüren das ja bereits heute.

Weil Rifkin weiter denkt, als die meisten, war er beim New Work Day von XING in Hamburg eingeladen. Das 11-minütige Interview mit ihm ist in diesem Zusammenhang entstanden. Es wurde mit deutschen Untertiteln versehen und ich kann es euch nur wärmstens empfehlen, um einen Blick in die Zukunft zu werfen.

Worum geht’s in der Null Grenzkosten Gesellschaft?

Da mir selbst aktuell die Zeit fehlt, das gesamte Buch zu lesen, habe ich mir stellvertretend für euch die einschlägigen Rezensionen und Interviews im Netz angeschaut.

Das inhaltlich aussagekräftigste Print-Interview fand ich in der ZEIT vom Dezember 2014. Hier die zentralen Aussagen im Kompakt-Format für Euch – alle Aussagen stammen direkt von Rifkin selbst:

“Das Internet der Dinge ist in Wirklichkeit eine Dreiteilung des Internets in ein Kommunikationsnetz, ein Energienetz und ein Transportnetz.

Und dieses Netz hat Sensoren in der gesamten Wirtschaft, um jedes Gerät, jede Maschine und jeden Menschen zu verbinden. Wir haben schon heute rund 14 Milliarden Sensoren in Fabriken, in Straßen, Lieferzentren, Einzelhandelsgeschäften und jetzt sogar in smart homes und Fahrzeugen, die Daten sammeln und ins Netz schicken.

Nehmen wir nur mal an, dieses Supernetz der Dinge bleibt neutral und wird nicht von Google, Facebook und Co. dominiert, nehmen wir an, wir schützen die Privatheit, schaffen Datensicherheit und sichern uns gegen Cyberterroristen, dann kann die Menschheit ins Superinternet der Dinge gehen, das fängt schon an, und sie hat Zugang zu den großen Datenmengen, die ausdrücken, was gerade geschieht in der Wirtschaft.

Das wäre totale Transparenz. Man wüsste alles, was in der Wirtschaft vor sich geht, und könnte seinen eigenen Computer nutzen, um eigene Analysen zu machen und Algorithmen zu schaffen und damit energieeffizienter und produktiver zu werden. Man könnte seine eigene erneuerbare Energie produzieren und mittels 3-D-Druckern seine eigenen Produkte, zu Grenzkosten von nahe null.

Ein Teil könnte am Markt verkauft werden, ein Teil im kollaborativen Gemeingut geteilt werden. Man kann das daran sehen, was gerade in Sachen Energie in Deutschland geschieht: Die Möglichkeiten sind riesig, aber die Probleme auch.

(…) Die dritte Revolution im 21. Jahrhundert wird der massenhaften Lohn- und Gehaltsarbeit ein Ende setzen.

Zwei Generationen lang können wir noch Massenbeschäftigung bieten, weil wir erst die Infrastruktur für das Superinternet der Dinge schaffen müssen. Viele der heute führenden Unternehmen wie auch neue Firmen werden dafür die Plattform schaffen. Aber wenn diese Plattform erst mal läuft, wird sie von Analytik und Algorithmen betrieben und von einer kleinen Gruppe von Aufsichtskräften gemanagt.

(…) Viele junge Menschen wechseln von traditionellen Jobs der Privatwirtschaft zu neuen Jobs in der Sozialwirtschaft. Die schafft alle Arten von Gütern und Dienstleistungen, die nicht vom Markt und nicht vom Staat kommen. (…) Dieser Sektor schafft Sozialkapital statt Finanzkapital und verbessert die Lebensqualität. (…) Mehr als die Hälfte des Geldes, das heute in diesen Sektor fließt, besteht aus Gebühren für Dienstleistungen. Nur gut ein Drittel geht auf Verträge mit dem Staat zurück.

(…) Google und Goldman Sachs haben viel Geld in Uber investiert. Sie realisieren nicht, was geschehen wird. Was kostet es wohl, eine neue örtliche Carsharing-Website in jeder Stadt einzurichten, damit Fahrer ihre eigene Kooperative schaffen, statt ihr eigenes Auto zu fahren und mehr und mehr ihrer Einnahmen an globale Firmen wie Uber abgeben zu müssen? Dieser Wandel hat schon begonnen.”

Was bedeutet dies für Klein-Unternehmen?

In der Welt von Jeremy Rifkin sind alle Unternehmen gleichgestellt, da Energie, Kommunikation und Logistik weltweit zu extrem geringen Kosten zugänglich sein werden. Es steckt also viel Potenzial darin.

Wie man auf dem Weg in diese visionäre Zukunft Angebote schafft, die auch bezahlt werden, damit man selbst wenigstens die Grundkosten zahlen kann, bleibt die bekannte Herausforderung: Man muss konstruktive Lösungen anbieten für real existierende Probleme. Mehr ist es eigentlich nicht. Es klingt so einfach …

Good luck euch allen!


Grundlage als Auszug aus The NeWoS vom 24. März 2015, unserer ununi.TV Rundschau (du kannst sie hier abonnieren)

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ÜberAnja C. Wagner

thinker, networker, human | .edu .ux .politics | co-founder of @frolleinflow & initiatorin @ununitv | weitere infos hier: http://acwagner.info

2 Kommentare zu Wie kann man heute noch Geld verdienen?

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