Was verändert sich am Arbeitsplatz?

Will man sich einen Überblick verschaffen, wie der Stand der Forschungen ist im Hinblick auf moderne Arbeitsplatz-Gestaltungen, so gelangt man zu sehr widersprüchlichen Aussagen.

Mitunter hat man das Gefühl, auch die Forschungen liessen sich von ihrer eigenen Voreingenommenheit leiten. Man bräuchte Zeit, den Stand der Entwicklungen nüchtern zu sortieren, um daraus aktuelle Handlungsempfehlungen abzuleiten.

Ich werde im Rahmen von The NeWoS immer wieder auf dieses Thema zurück kommen – und sukzessive Material sammeln, damit wir hier einen Schritt weiter kommen.

Mich interessiert, was man kleinen Unternehmen oder Projekt-Teams mit mehreren Wissensarbeiter/innen ernsthaft empfehlen könnte, wie sie ihre Arbeitsumgebung optimal ausgestalten sollten.


NACHTRAG: Auch der aktuelle Leitfaden der Schweizer Work Smart Initiative richtet sich (mal wieder) an Führungskräfte in großen und mittleren Unternehmen.


Wie ist es für wen am besten?

Derzeit habe ich das Gefühl, sämtliche Empfehlungen im Netz werden aus dem Handgelenk geschüttelt oder sind massiv Interessen geleitet. Bzw. sind grundlegende Studien bereits veraltet, wenn sie erscheinen, da sich sozio-technologisch wie sozio-kulturell derzeit so viele Koordinaten beständig verändern. Und die Forscher/innen selbst nicht unbedingt die aktuellsten Entwicklungen leben.

Man bräuchte eine Forschung on-the-fly, die beständig in Echtzeit verschiedene Entwicklungen mit trackt und daraus im Monatsrhythmus analytische Schlüsse zieht.

Zu viele Initiativen befinden sich derzeit im Experimentier-Stadium, wie sie sich selbst besser und angenehmer organisieren könnten, was mir bekanntlich sehr sympathisch ist. Mal sehen, ob mir hier ein crowd-basiertes Forschungsdesign glückt.

BITKOM-Studie 02/2015

Heute möchte ich 2 interessante Aspekte der BITKOM-Studie zur Digitalisierung der Arbeitswelt vom Februar 2015 hervorheben, die mir auffielen bei der Betrachtung ihrer Ergebnisse.

Hintergrund ist der, dass als zentrales Ergebnis dieser Studie den Unternehmen angeraten wurde, mehr Flexibilität am Arbeitsplatz für Akademiker/innen zu ermöglichen und sich darauf einzustellen, mehr externe Spezialist/innen in ihre Teams temporär einbinden zu müssen.

Gründe gegen Home Office

In der Umfrage der BITKOM-Studie wurde entsprechend der Tendenz zu mehr geforderter Flexibilität und temporärer Mitarbeit nach den Gründen gefragt, was gegen Home Office spräche. Schaut euch selbst die Ergebnisse an:

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Man könnte jetzt auf alle genannten Begründungen eingehen, aber welcher Punkt de facto wirklich falsch ist, sogar einen beliebten Mythos darstellt, ist Punkt 2, ohne direkten Austausch mit den Kollegen sinke die Produktivität.

Das Gegenteil ist der Fall: Man wird insgesamt deutlich produktiver, wenn man mit wenigen Regeln und Maßnahmen eine flexible Arbeitsorganisation im Team ermöglicht.

Es braucht dazu gar nicht viel – nur eine gewisse Offenheit zugunsten moderner Entwicklungen und natürlich eine konsequente Arbeitsumgebung.

Aber genau das scheint mir der Punkt zu sein (siehe das stärkste Argument oben: Home Office ist generell im Unternehmen nicht vorgesehen).

Viele sind einfach nicht bereit, ihre Arbeitsweise zu verändern. Entsprechend dienen sämtliche Gegenargumente nur als Schein-Argumente.

Meeting-Kultur

Der zweite Irrtum leitet sich aus dem rechten Teilbereich dieser Frage ab:

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Wer heutzutage wirklich immer noch denkt, Präsenzmeetings seien effizienter als Online-Meetings, hat noch kein modernes Arbeitssystem erlebt.

Online-Videokonferenzen sind m.E. um Längen effizienter als in Präsenz: Wenn man sich an ein paar Regeln hält!

Klar, das mit den Regeln gilt auch für Präsenzmeetings. Jeff Bezos hat bei Amazon diesbezüglich ja eine beeindruckende Technik etabliert.

Online lässt sich aber eine vergleichbare Kultur auch nutzen – und sie ist dort weit besser durchzusetzen als in Präsenzsituationen.

Zudem wird online eher der oberflächliche Austausch minimiert – von daher schafft man mehr als in Präsenz, digitalisiert die Ergebnisse gleich nebenbei usw. usf.

Fazit für Online-Meetings

Nach meiner Erfahrung ist das einzige tatsächliche Kriterium, was gegen Online-Konferenzen spricht, in der Regel die Unorganisiertheit der “Führungskräfte”.

Sind diese optimal in ihrer Arbeitsproduktivität eingestellt – mit persönlicher Arbeitsorganisation und kollegialem Kommunikationsstil -, steht einer Online-Zusammenarbeit nichts im Wege.

Und dann braucht es auch keiner fadenscheiniger Gründe mehr …


Auszug aus The NeWoS vom 28. April 2015, unserer ununi.TV Rundschau (du kannst sie hier abonnieren)

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ÜberAnja C. Wagner

denkerin, netzwerkerin, mensch | .edu .ux .politik | co-founder of @frolleinflow & initiatorin @ununitv | weitere infos hier: http://acwagner.info

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