Was ich beim #mgmt20-MOOC gelernt habe

Ich bin kein grosser Fan von MOOCs. Ausser dem ersten. Damals. 2008. Von Siemens/Downes zu “Connectivism and Connective Knowledge”. Da spürten wir den theoretischen Grundlagen nach, warum das Internet eh schon der perfekte Lernort ist. Ohne pädagogische Auf- oder Zubereitung. Input, Vernetzung, Austausch – gut, das handhabten die Beteiligten eh schon. Nur jetzt etwas bewusster und reflektierter durch den fokussierten Zugang. 

Es folgten: Die cMOOCs, die xMOOCs und all die anderen xyzMOOCs – entweder pädagogisch inszeniert oder von pädagogischen Institutionen instrumentalisiert. Einige habe ich am Rande verfolgt, so wie ich auch andere Internet-Events verfolge, falls sie mich thematisch interessieren. Zwischenzeitlich ist ein Überangebot entstanden und die meisten Menschen sind gesättigt, was mögliche Inhalte anbelangt. 

Aber die Inhalte scheinen mir gar nicht das Wesentliche zu sein. Viel bedeutsamer ist das Event als solches für das bildungspolitische Mindsetting. Den Event-Charakter oder das Spektakel braucht man, um eine Gruppe für einen begrenzten Zeitraum gedanklich mit einem Thema zu infizieren. Dann kann so etwas wie Magie entstehen, aus dem heraus eventuell ein Werte-Umschwung folgt, von dem wiederum neue Impulse in die Welt gesetzt werden usw. 

Was ich sagen will: Ich denke, vom Management 2.0-MOOC ging genau diese Magie aus. Ohne dass ich vorab irgendetwas mit Cogneon zu tun hatte: Ich bin schwer beeindruckt von Simon Dückerts Leistung, sein Thema so auf die Agenda zu hieven. Was mich konkret beeindruckte:

  • Die Professionalität der Vorbereitung: Von Beginn an hatte ich das Gefühl, hier hat sich jemand richtig Gedanken gemacht, wie er eine sehr gute User Experience für alle Beteiligten herstellen kann. Wenn ich im Nachgang jetzt darüber sinniere: Sollte ich eines Tages einen MOOC durchführen müssen, würde ich diesen Management 2.0-MOOC konkret zu meinem Maßstab ernennen.
  • Die Struktur: Auf mich macht sie einen sehr guten Eindruck. Input, Austausch, Vernetzung, Hangouts, Fazit – ich wüsste nicht, was ich besser machen könnte (angesichts der primären Zielgruppe). Und selbst ich, die ich eher zu den informellen Lerntypen zähle: Auch ich hatte das Gefühl, über Twitter und die Hangouts ein kleiner, aktiver Teil dieses MOOCs zu sein. Mit der Option, jederzeit im Nachgang auf die Fülle an Materialien zugreifen zu können.
  • Die Vernetzung: Ich muss gestehen, ich war sehr überrascht zu lernen, wie viele Menschen sich bereits innerhalb der Unternehmen auf den Weg gemacht haben, den Kulturwandel aktiv mitzugehen und hier neue Formen der Zusammenarbeit zu etablieren. Alleine dieses Sichtbarmachen verschiedener Player auf verschiedenen Ebenen ist ein ungeheurer Schritt raus aus der Nerd-Filter-Blase. Wie Simon Dückert sich hier aktiv bemühte, kollaborative Synergien herzustellen, fordert mehr als meinen Respekt heraus. Dass wir als ununi.TV in diesem Setting mit einbezogen wurden, erfreut mich ungemein. Das ist gelebter Flow!
  • Der offene, unpädagogische Diskurs in den Hangouts: Hier steuerte man auf kein konkretes Lernziel für die Zuschauer/innen zu, sondern es handelte sich um einen Erfahrungsaustausch der beteiligten Personen, die ein gemeinsames Anliegen vereinte – sich weiterzuentwickeln. Und es brachte mir vielfältige Erkenntnisgewinne, indem ich einfach diesem Austausch lauschte. (Gut, an der Frauenquote könnte man noch etwas schrauben …)
  • Die Zeitdauer der Videos: Ich dachte eigentlich, diese langen Formate gehören der Vergangenheit an. Ich habe jetzt gelernt über #mgmt20: Wenn die Diskussion grob strukturiert und inhaltlich gehaltvoll ist, dann zieht 1h wie im Fluge an mir vorbei – und ich sitze aktiv zuhörend dabei. Erst recht ohne die obligatorischen Folienvorträge, sondern ein wirklicher Austausch “auf Augenhöhe”. (Wer einmal erfahren will, was dieses Bonmot tatsächlich bedeutet: In diesen Sessions konnte man es erleben.)
  • Das Corporate Design: Dass es mich amüsieren könnte, wirklich schrille Farben so penetrant in Szene gesetzt zu bekommen, hat mich ehrlich überrascht. Neben der farblich exakt vorgegebenen Bauchbinde in den Hangouts habe ich Aufkleber, Transparente, Werbebanner, orange-Pads, orangene Tassen, T-Shirts und sogar eine passende Autofarbe entdeckt – das nenne ich konsequent 😉

Also, sollte es noch nicht rüber gekommen sein: Ich ziehe seit geraumer Zeit den Hut vor dieser Leistung von Simon Dückert! Hier hat einer den professionellen Maßstab ganz weit nach oben geschraubt. Und das gefällt mir ungemein! (Jeder, der mich kennt, weiss, ich würde dies nicht so sagen, wenn ich es nicht genau so meinte …)

Nur schade, dass der MOOC morgen bereits endet – zumindest formal …

Nachschauen kann man die Hangout-Sessions kompakt auf ununi.TV – soviel Werbung muss sein 😉

Vielen Dank für dieses Event! Ich denke, es bringt unsere Gesellschaft insgesamt weiter.

ÜberAnja C. Wagner

denkerin, netzwerkerin, mensch | .edu .ux .politik | co-founder of @frolleinflow & initiatorin @ununitv | weitere infos hier: http://acwagner.info

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