Was bringt Klein-Unternehmen das Workforce Marketing?

Die Unternehmen des 21. Jahrhunderts arbeiten zunehmend mit den 4.0 Technologien. 4.0, das steht für eine durchgehende Digitalisierung sämtlicher Industriebranchen mit intelligenter, eben smarter IT.

Nicht nur die klassische Industrie wird von diesen Prozessen betroffen sein. Auch die meisten Dienstleistungsbranchen, die nach-und-nach durch die smarten Technologien in die Prozesse mit einbezogen werden. Wir befinden uns jetzt am Beginn der 4. industriellen Revolution.

BITKOM, Wolfgang Dorst - Industrie 4.0

Wolfgang Dorst: Auf dem Weg zu Industrie 4.0 – Chancen aus KMU-Sicht, BITKOM, Berlin 18.11.2014

In der Folge entwickeln und vermarkten smarte Unternehmen ihre Produkte und Dienstleistungen kundenspezifisch, mass customized und bedarfsgerecht.

KLEINER EXKURS

Mass customization, das bedeutet eine zunehmende Individualisierung der Leistungserstellung. Gründe dafür sind die sinkende Kundenloyalität und eine zunehmende Heterogenität der Bedürfnisse auf der einen Seite. Andererseits ist auf den internationalen Märkten ein steigender Wettbewerb zu verzeichnen.

Die Potentiale einer alt eingesessenen Technologieführerschaft nehmen ab, bestehende Branchenstrukturen lösen sich auf und die fortschreitende Globalisierung stellt neue Ansprüche an eine adäquate Wettbewerbsstrategie.

Was dies konkret für Kunden bedeutet, kann man gut an der (inzwischen auch in deutscher Sprache verfügbaren) Website von Alibaba ablesen: Für so ziemlich jedes Produkt lässt sich dort ein passender Anbieter finden, der das Produkt für den individuellen Bedarf eines Unternehmens in Massenproduktion für einen lächerlich geringen Stückpreis herstellt.

Die neue Kommunikationskultur

In der Folge verlangt diese neue Mass customization für hiesige Unternehmen eine effektive und permanente Kommunikation mit den Zielgruppen und Märkten. Sie in Echtzeit wahrzunehmen und von ihnen wahrgenommen zu werden, ist ein Wettbewerbsvorteil.

Auf individuelle Kundenwünsche einzugehen, kann mit kluger Technologie erfolgen, wie im Forschungsprojekt InnoCyFer. Ziel ist hier die Entwicklung einer webbasierten Open-Innovation-Plattform, über die jeder Kunde ein völlig neues Design entwerfen oder bestehende Entwürfe seinen Wünschen und Vorstellungen anpassen kann.

Selbst bereits erteilte Aufträge können vom Kunden, soweit möglich, kurzfristig noch bis in späte Produktionsphasen geändert werden. Dabei werden Steuerungsmodelle aus der Natur bionisch auf die Industrie übertragen. Klingt abgefahren, ist es auch.

Aber nicht nur in der Produktion entstehen vielfältige neue Prozesse durch die Digitalisierung. Von der Entwicklung bis zum Vertrieb stützen sich moderne KMU auf die 4.0 Technologien und die Web 2.0 Vektoren. Die 4.0 Technologien fördern ihre Produktivität und Kompetitivität, die sozialen Technologien unterstützen ihre Kommunikation.

Die Umwertung der Mitarbeiter_innen

Dafür brauchen sie hochqualifizierte Mitarbeiter, die gleichzeitig kreative und gut vernetzte Kommunikatoren und Mittler sind. Kommunikation und Produktion lassen sich zukünftig nicht mehr in Abteilungen getrennt abarbeiten. Unternehmen atmen heute von innen nach aussen.

Im offenen Austausch mit Kunden, Partnern und potentiellen Mitarbeitern gilt es, in den Transformationswellen mitzuschwimmen.

Aber wo findet man solche Mitarbeiter_innen, die solch eine moderne Arbeitsweise mitgehen?

Es gibt sie auf dem weltweiten Arbeitsmarkt. Doch die qualifiziertesten Kinder der digitalen Revolution suchen Aufgaben in offenen Strukturen, in denen Arbeiten nicht nur Freude macht, sondern eine permanente Interaktion mit ihrer Zeit und ihren Zeitgenossen ermöglicht. Dafür verzichten sie auch auf mehr Geld.

Informationsaustausch, Feedback, Social Learning und Netzwerken gehören zu dieser geforderten Interaktion, die auch in KMUs möglich ist und professionell weiterverwertet werden kann.

Das zweidimensionale Marketing

Mitarbeiter, die sich als Privatperson, Experte und Mitglied eines Unternehmens in den Sozialen Netzwerken für Business bekunden, produzieren keine platten Werbebotschaften für das Unternehmen. Sie sind idealer Weise authentisch und produzieren virale Inhalte, die viele interessieren und sie selber und das Unternehmen nicht blamieren.

Diese Form des Marketings nennt man “Workforce Marketing”.

Kleiner Exkurs

Workforce Marketing  wurde 2012 von einem kleinen Startup in Chicago erdacht und sofort von LinkedIn als innovative Business-Lösung für moderne KMUs übernommen, denn

  • Workforce Marketing ist high tech, high quality Marketing, aber low cost und nur als Teamarbeit wirklich effizient. Und es ist ausserdem Big Data intensiv.

Was sind seine besonderen Zutaten? Die Mitarbeiter des KMU entwickeln gemeinsam aus

  • ihrer Kernkompetenz,
  • ihrem Fachwissen,
  • der kollektiven Intelligenz,
  • den multiplen Kommunikationspotentialen,
  • dem digitalem Know-How
  • und vor allem ihren sozialen Vernetzungen

eine neue kollektive und innovative firmeneigene Marketing-Strategie.

Content Marketing

Von kompetenten Ebooks, Whitepapers, Tutorials oder informativen Blogposts profitieren alle und sie schaden niemandem, wenn sie gut gemacht sind. Sie richten sich an verschiedene Adressaten, die für das Unternehmen interessant sind:

Bestehende oder neue Kunden, Partner und Mitarbeiter – sie alle wollen heute umgarnt werden in diesen dynamischen, globalen, user-orientierten Zeiten.

Auch wenn die Zeit des Content Marketings vorbei scheint und das interaktive, tatsächliche Gespräch mit den Zielgruppen zusehends in den Vordergrund rückt:

Den Gesprächsauftakt gestalten die Mitarbeiter_innen des Unternehmens am besten pro-aktiv. Dann hat man wenigstens die Chance, die Gesprächsführung ein wenig zu steuern. Wer fragt, gewinnt. Also befragen sie ihre Zielgruppen maximal offen – und kommen mit ihnen ins Gespräch.

Aber: Jeder Mitarbeiter, der sich an diesen Gesprächen im Web beteiligt, arbeitet somit auch für das eigene Branding und Ranking. Image und Ruf des Unternehmens nutzen auch dem eigenen Portfolio. Wer will schon für eine uncoole Firma arbeiten? Dann ist man lieber ruhig.

Es liegt also auf der Hand: Unternehmen und Mitarbeiter gestalten gemeinsam das lebendige Schaufenster des Unternehmens. Wie gesagt: Idealer Weise, aber auch vernünftiger Weise.

Wichtige Frage

Und jetzt die Gretchen-Fragen für moderne Unternehmer_innen:

  • Wie kommuniziert man diesen Anspruch an die Mitarbeiter_innen und den Chef?
  • Wie gelangt man dorthin, dass möglichst viele mitarbeiten im Gespräch?
  • Und wie empowert man seine Mitarbeiter, maximal gute Marketing-Arbeit mit zu leisten?

Darüber sinnieren wir in den nächsten Wochen. Stay tuned.

Überlawa

Angelica Laurençon und Anja C. Wagner haben sich entschieden, manche Beiträge gemeinsam zu erstellen. So erhalten wir einen breiteren Blick auf die moderne Arbeitswelt. Angelica arbeitet ansonsten als Unternehmensberaterin & Anja fungiert v. a. hier als Netzwerk-Dirigentin.

Ein Kommentar zu Was bringt Klein-Unternehmen das Workforce Marketing?

  1. Pingback:Employer-Branding: Klein, aber kreativ! | ununi.TV

Schreibe einen Kommentar

Bitte nutze deinen richtigen Namen.