Die binäre Zeit #VUCA (I/01)



Mitten im Paradigmenwechsel

„The future is already here. It‘s just not very evenly distributed.“ William Gibson

vuca_kap1Wir sind mitten in der binären Zeit. Während die Generationen XYZ schon längst in der Freelance Ökonomie des 21. Jahrhunderts eigene Wege und neue Lösungen suchen, drehen die Politiker, Gewerkschafter und Wirtschaftsweisen weiter ihre Bahnen in der Welt von gestern.

Dabei haben die digitale Revolution, das Internet und die Kommunikationstechnologien schon eine neue Zeiteinheit geschaffen, die von Simultanität, Ubiquität und dem Algorithmen-Tempo bestimmt wird. Letztere beschleunigen alles und machen aus festen Strukturen flüchtige Momente.

In dieser neuen VUCA-Welt, wo alles flüchtig, ungewiss, komplex und binär wird, handeln nicht nur die Finanzmärkte im Algorithmen-Tempo. Auch die Arbeitsmärkte unterliegen den neuen Zeit-, Raum- und Geschwindigkeitsgesetzen. Sie sind VUCA. Selbst wenn noch niemand hierzulande diesen Begriff kennt und benutzt, ist er Teil des globalen Paradigmenwechsels, dem sich auch der deutsche Arbeitsmarkt nicht entzieht.

Zwischen dem offiziellen Diskurs über den Wert der Arbeit und der Wirklichkeit hat sich schon eine Kluft aufgetan. Sie wird jeden Tag tiefer und breiter. Das bekümmert jedoch nicht die Stützen der Gesellschaft. Sie wissen, was das Volk gern hört und kennen dessen Bedürfnis nach Gewissheiten, Ruhe und Ordnung. Deshalb reden sie auch weiter von gerechtem Lohn und sozialer Sicherheit. Das kommt immer noch gut an. Die Medien verbreiten weiter diese frohe Botschaft, allein der Glaube daran kommt vielen allmählich abhanden.

Von „guter Arbeit und gutem Geld“ profitiert nämlich in Wirklichkeit nur noch eine Minderheit, selbst in Deutschland. Die Festanstellungen werden seltener und das bedeutet für die Mehrheit der Erwerbstätigen langfristig soziale Unsicherheit. Die Lebensstellung bleibt hierzulande nur noch das Privileg der 4,5 Millionen Beschäftigten des öffentlichen Dienstes.

Diese 10 % der Erwerbstätigen zählen zwar nicht alle zu den Besserverdienern, sie sind jedoch insgesamt auf der sicheren Seite des Arbeitsmarktes und kennen die VUCA Welt nur aus dem Leben der anderen. Die anderen erleben burnout, Standortverlagerungen, den globalen Wettbewerb und die Realität der flüchtigen, komplexen und schwankenden Märkte.

Wenn sie noch im oberen Segment der Besserverdiener sind, dazu gehören 26,6 % der gutverdienenden Festangestellten und 18 % der Unternehmer, so haben sie zwar ihr Auskommen, aber auch ihre Arbeitswelt ist nicht vor der VUCA-Welt geschützt.

Für die andere Hälfte im unteren Segment verabschiedet sich die Festanstellung nach und nach aus dem geregelten Arbeitsleben, weil das ökonomische Umfeld es so will und der Druck nach unten hin immer stärker wird.

Gestern waren es die Lean Management-Vorgaben; heute sind es die schnellen technologischen Veränderungen, die unsicheren und flüchtigen Märkten, die Kapitalflüsse, die mit Hochgeschwindigkeit durch die Welt strömen. Gemeinsam schaffen sie neue Regeln und Raster, die nicht etwa mit den alten kollidieren, sondern sie einfach umgehen und überlagern.

Die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt ist das beste Beispiel dafür, wie ein Paradigma stillschweigend durch ein neues ersetzt wird, ohne dass Wirtschaft und Gesellschaft gleich aus den Fugen gerieten.


  • Stay tuned

    Der nächste Auszug folgt demnächst.


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ÜberAngelica Laurencon

Dr. Angelica Laurencon lebt und arbeitet in Berlin und Clermont-Ferrand als Mentorin und Unternehmensberaterin. Als Dozentin
für internationale Masterstudiengänge im Internationalen Management gibt sie ihr Praxiswissen an die zukünftige Managergeneration weiter und begleitet sie als Mentorin für Community Management, Learning Management Systems und Workforce Marketing.

Sie ist Gesellschafterin und Mitbegründerin von connect2communicate und Expertin für Wissenstransfer 2.0 und Learning Management im interkulturellen Kontext.

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