VUCA 21 #VUCA (I/03)



Paradigmenwechsel mit unbequemen Fakten

vuca_kap1Die Wirtschaft arbeitet auf flüchtigen, ungewissen, komplexen und schwankenden Märkten. Unternehmen überleben nur im globalen Wettbewerb, wenn sie mobil, flexibel und agil sind. Das gilt auch für ihre Mitarbeiter, ob sie festangestellt oder schon temporäre Honorararbeiter sind. Der Paradigmenwechsel hat für sie zwei Namen: VUCA und Freelance-Ökonomie.

Die Grosskonzerne haben die VUCA Herausforderung durch multiple Standorte, multinationales Management und interkulturellen Wissenstransfer mit flexiblen und mobilen Humanressourcen gelöst. So können sie sich den schwankenden Märkten lokal anpassen und die Schwerpunkte zeitgerecht verlagern. Somit sind sie auch immer auf Tuchfühlung mit der VUCA Welt, denn die ist nicht nur flüchtig, komplex und ungewiss, sie bietet auch immer verschiedene Lesarten. Das macht das Tagesgeschäft der Manager und Unternehmer nicht leichter. VUCA wird zum Bestandteil ihrer Markt- und Marketingstrategien und jeder Schritt ist ein Risiko, denn selbst die unmittelbare Zukunft ist nicht mehr planbar.

Das gleiche gilt für die Arbeit. Sie wird flüchtig, ungewiss, komplex und zwiespältig wie die Märkte, auf denen morgen Waren und Leistungen vermarktet werden müssen, von denen heute manche zwar schon eine Vision, aber nur wenige ein klares Konzept haben.

Die Arbeit ist eine Ressource und somit eine Ware, mit der das Kapital einen Mehrwert produziert. Das sagte bereits Karl Marx 1844. In der neoliberalen Ökonomie von heute, die alle Alternativen von gestern, d.h. Sozialismus, Kommunismus und die soziale Marktwirtschaft überdauert hat, ist der Wert der Arbeit an den VUCA Marktwert gekoppelt.

Mit diesem Paradigmenwechsel müssen sich nicht nur die Unternehmen, sondern vor allem die Arbeitenden auseinandersetzen, denn die VUCA-Welt unterliegt einem endogenen Beschleunigungsgesetz. Auch das sind störende Fakten.

Niemand stört sich an dem Wort Arbeitsmarkt, doch Arbeit darf noch nicht als Ware betrachtet werden, denn das widerspricht der Ethik der protestantischen Arbeitswelt und stellt die Arbeits- und Sozialgesetze und die Existenzberechtigung der Gewerkschaften und insgesamt infrage.

Die haben jedoch den Übergang von der Industrie- in die Dienstleistungsgesellschaft verpasst und verschlafen auch noch den Anschluss an die dritte industrielle Revolution.

Wenn es also noch einen Arbeitsmarkt, lokal, global oder virtuell gibt, dann wird auch dort die Arbeit wie jede andere Ware vermarktet, und zwar mit den alten und neuen Marketingstrategien.

Nun aber bleibt die Arbeit ein aktiver Prozess, der entweder von einem Arbeitstier, einer Maschine oder einem Menschen ausgeführt wird. Darum löst die Verbindung von Mensch, Arbeit und Ware noch heftige Kontroversen aus. Dahinter stehen ja wertvolle und einzigartige Menschen und keine Konsumobjekte, heisst es. Dahinter stehen auch immaterielle Werte, philosophische und religiöse Inhalte, wiederholt man immer wieder. Niemand möchte als Wegwerfware betrachtet werden. Der Quantensprung vom Menschen als Krone der Schöpfung zum kurzfristigen Konsumgut wird nur leichten Sinnes im Rotlichtmilieu und für Zeitarbeiter auf der Durchreise vollzogen.

Dass die Freelance Ökonomie das Individuum zu einer Arbeitsmonade macht, dessen Wert in der VUCA Welt 21 ständig neu bestimmt und vermarktet werden muss, passt einfach nicht in die schöne Welt der Festanstellungen, sicheren Renten und sozialen Marktwirtschaft. Ein Arbeitsmarketing 2.0, das die Arbeit als Ware und den Menschen dahinter als Marke Ich über die Sozialen Netzwerke vermarktet, ist schon eine Herausforderung.


  • Stay tuned

    Der nächste Auszug folgt demnächst.


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ÜberAngelica Laurencon

Dr. Angelica Laurencon lebt und arbeitet in Berlin und Clermont-Ferrand als Mentorin und Unternehmensberaterin. Als Dozentin für internationale Masterstudiengänge im Internationalen Management gibt sie ihr Praxiswissen an die zukünftige Managergeneration weiter und begleitet sie als Mentorin für Community Management, Learning Management Systems und Workforce Marketing. Sie ist Gesellschafterin und Mitbegründerin von connect2communicate und Expertin für Wissenstransfer 2.0 und Learning Management im interkulturellen Kontext.

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