Personalpolitik 2.0 (#VUCA VI/8)



Proaktiv statt reaktiv

(c) Frits Ahlefeldt - http://hikingartist.com/

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Arbeitsmarketing 2.0 ist im 21. Jahrhundert fester Bestandteil des Personalmanagements. Dabei werden im Social Media Recruiting die Dienstleistungen der drei Online-Plattformen mit hinzugezogen.

Sie betreffen die VUCA-Bereiche der Webökonomie und bestimmen die Dynamik der Unternehmen in den kommenden Jahrzehnten. Diese unbequeme Realität gibt den Unternehmern zwar die verlorenen Freiheiten von einst zurück, zwingt sie aber zum Umdenken im Personalmanagement.

In den Sozialen Netzwerken, wo sich die Profis treffen, wird die Arbeit vom Sozialen (im europäischen Verständnis!) entkoppelt und auf die reine Wertschöpfung reduziert. In ihrem Wesen und Wirken sind diese Online-Plattformen neoliberal. Das proaktive Arbeitsmarketing 2.0 versachlicht ohne viel Aufsehen das Individuum und seine Fertigkeiten zu einem Produkt, das nach dem AIDA Modell vermarktet wird.

Dieser Prozess vollzieht sich ganz natürlich, sobald alle Beteiligten auf der gleichen Ebene angekommen sind und die Verbindungen nicht mehr hierarchisch und vertikal, sondern horizontal, unter Gleichgestellten verlaufen. Das ist auch der community spirit der Sozialen Netzwerke; darum heißen sie ja auch so und nicht Social Media Recruiting.

In der Freelance-Ökonomie sind alle Menschen Unternehmer, egal wie gross oder klein. Sie sind frei und nur durch einen kurzfristigen Vertrag gebunden, dessen Inhalt künftig dem Handelsrecht überregionaler Schiedgerichte und nicht mehr dem jeweiligen Arbeits- und Sozialrecht unterliegt. Auch das enthält TTIP Wundertüte.

Das Social Media Recruiting, auf deutsch Personalbeschaffung 2.0, arbeitet schon heute mit Big Data und zwar binär: Proaktives Profiling und Monitoring 2.0.

Big Data ist zwar nicht Big Brother 1984 mit seinen eindeutig totalitären Zielen, aber dafür genauso effizient und effektiv. Es ist alles nur eine Frage der Zweck- und Zielsetzung seitens des Recruiters. Alle anderen ethischen und juristischen Einwände wie Datenschutz und Respekt der Privatsphäre passen nicht mehr in das Raster des Arbeitsmarketings 2.0 der VUCA-Welt und werden einfach umgangen.

Aus der Datenmasse eines Nutzers kann heute ein ziemlich präzises Profil von jedem Einzelnen und jedem Unternehmen erstellt werden. Es konzentriert sich nicht auf die Fakten der Vergangenheit, sondern auf alle Potentiale, die womöglich noch freigesetzt werden könnten.

Die Big Data Analytik ermöglicht Wahrscheinlichkeitsprofile der Partner oder Mitarbeiter zu erstellen. Das ist zwar nicht umsonst, aber effizienter als alle herkömmlichen Methoden der Personalbeschaffung oder des Audits.

Anhand der vorhandenen Daten optimieren die Algorithmen das Profil der person of interest. Das LinkedIn, Viadeo oder XING Profil und die dazugehörigen Informationen wie Freunde, Kontakte, Projekte, Orte, Interessen, ehrenamtliches Engagement usw. werden dann mit den Social Data vernetzt und abgeglichen. Honi soit qui mal y pense.

Die breite Öffentlichkeit kennt dieses Profiling aus den US Fernsehserien, wo die Geheimdienste es für die Auswahl ihrer Agenten einsetzen. Die Fiktion ist aber schon längst in der Business-Welt der Konzerne angekommen und stört bislang keinen.

Das proaktive Profiling in der Personalbeschaffung 2.0 steht aber auch den kleinen und mittleren Unternehmen zur Verfügung, die innovativ, kreativ planen und handeln wollen. Dafür brauchen sie sich nicht unbedingt gleich mit der anspruchsvollen IBM Kenexa Talent Suite anzufreunden. Es gibt viele alternative kostengünstige Lösungen, die das Social Media Recruiting und Monitoring 2.0 den Kleinunternehmen erleichtern und sie aus dem Fahrwasser der grossen Softwareanbieter befreien. Die sichern zwar ihren Wettbewerbsvorteil, indem sie Rundumpakete einschliesslich Service anbieten.Bequemlichkeit macht jedoch abhängig und schwach.

Das Monitoring 2.0 in den Sozialen Netzwerken für Business gehört neben dem Social Media Recruiting nämlich auch mit zum Tagesgeschäft der Kleinunternehmen und Kleinstunternehmen. Es gibt sofort Antwort auf die sieben Fragen des proaktiven Arbeitsmarketings 2.0:

  • Wer sind die Mitarbeiter der Konkurrenz oder Partner?
  • Wie vermarkten sie ihre Aktivitäten nach außen hin?
  • Welche Kommunikationskanäle benutzen sie? Gruppendiskussionen oder Workforce Marketing?
  • Welche Leute kamen in der letzten Zeit hinzu und mit welchen Kompetenzen?
  • Von welchen Leuten haben sie sich getrennt und was hat sich dadurch für das Unternehmen verändert?
  • Wie hoch ist das Innovationspotential der Mitarbeiter?
  • Wie bleibt es in Kontakt mit den temporären Mitarbeitern?

Das ist der Rahmen eines kostensparenden und effizienten Arbeitsmarketings 2.0, proaktiv und reaktiv. Aus der Notwendigkeit der Personalpolitik 2.0 werden Millionen Freelancer gemeinsam mit Millionen Kleinunternehmern zu treuen Stammkunden der Sozialen Netzwerke for a better working life.


  • Stay tuned

    Der nächste Auszug folgt demnächst.


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ÜberAngelica Laurencon

Dr. Angelica Laurencon lebt und arbeitet in Berlin und Clermont-Ferrand als Mentorin und Unternehmensberaterin. Als Dozentin
für internationale Masterstudiengänge im Internationalen Management gibt sie ihr Praxiswissen an die zukünftige Managergeneration weiter und begleitet sie als Mentorin für Community Management, Learning Management Systems und Workforce Marketing.

Sie ist Gesellschafterin und Mitbegründerin von connect2communicate und Expertin für Wissenstransfer 2.0 und Learning Management im interkulturellen Kontext.

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