Parallelverbindungen (#VUCA VII/2)



Die Weichensteller am Werk

WEALTH DRAWING, FEAR OF LOSS

(c) Frits Ahlefeldt – hikingartist.com

Spätestens ab 2003 war der Strukturwandel am Arbeitsmarkt in Europa erkennbar. Zu dieser Zeit wollte Peter Hartz, Personalmanager bei VW, dauerhaft die Millionen Arbeitslosen aus den Arbeitslosenstatistiken und aus der finanziellen Abhängigkeit von Staatsgeldern holen.

Die Hartz II und IV Reformen brachten den deutschen Unternehmen Millionen Billiglöhner, verhalfen ihnen zu ungeahnten Wettbewerbsvorteilen und führten zu einer Schieflage innerhalb der EU.

Aus segmentierten Ganztagsstellen entstanden somit Millionen Minijobs und viele neue Kategorien wie Teilzeitarbeit, Zeitarbeit, Leiharbeit, temporärer Mitarbeit, Kurzarbeit mit vielen oft undurchsichtigen Zahlen und das Aufstockermodell bemäntelt die Kehrseiten des Jobwunders.

Die Ich-AG galt zwar als das Unwort des Jahres 2003, war aber keine Schnapsidee des Personalmanagers von Volkwagen und seinem politischen Auftraggeber, sondern eine Zukunftsvision vieler Unternehmer und damals ein Versuchsballon, um die Reaktivität der Gewerkschaften und der Erwerbstätigen zu testen.

Schon 2003 entließen die Großunternehmen nicht nur massenhaft Mitarbeiter, weil die Produktionskosten woanders billiger waren, sondern weil sie den Personalballast loswerden wollten. 2014 sind sie immer noch dabei, abzuspecken.

Im gleichen Jahr 2003, brachte das LinkedIn-Team aus Stanford sein Soziales Netzwerk für Business, Lars Hinrichs in Hamburg seinen Open Business Club (XING) und Dan Serfaty in Paris seine Plattform Viadeo auf den Markt.

Damit stellten sie die Weichen der Freelance-Ökonomie, die es zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal im Ansatz gab und auch heute als Begriff in Europa noch nicht geläufig ist. Sie ist die konsequente Durchführung der neoliberalen Forderungen nach absoluter Handlungsfreiheit und entwickelte sich aber ganz natürlich aus den

  • idealen Unternehmensstrukturen: klein, fit, schlank,
  • flexiblen Kapitalmassen mit kurzfristigen Renditestrategien,
  • entgrenzten Märkten,
  • immer kürzeren Zyklen der VUCA Ökonomie,
  • globalisierten Wettbewerbsbedingungen.

Spätestens 2020 wird sich die europäische Automobilindustrie endgültig in die Schwellenländer oder in die Billiglohnländer verabschiedet haben und damit auch ihre Zulieferer.


  • Stay tuned

    Der nächste Auszug folgt demnächst.


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ÜberAngelica Laurencon

Dr. Angelica Laurencon lebt und arbeitet in Berlin und Clermont-Ferrand als Mentorin und Unternehmensberaterin. Als Dozentin für internationale Masterstudiengänge im Internationalen Management gibt sie ihr Praxiswissen an die zukünftige Managergeneration weiter und begleitet sie als Mentorin für Community Management, Learning Management Systems und Workforce Marketing. Sie ist Gesellschafterin und Mitbegründerin von connect2communicate und Expertin für Wissenstransfer 2.0 und Learning Management im interkulturellen Kontext.

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