Ist es möglich: Open Innovation für KMU?!

Sympathie-Kapital vs. Venture-Capital

Open Innovation (OI) ist eine verhältnismäßig neue Strategie, mit der Unternehmen ihre Innovationsprozesse über die Unternehmensgrenzen hinaus öffnen.

Open innovation vs. Venture Kapital

Es handelt sich um interaktives Crowdsourcing, aus dem heraus bereits strukturiertes Wissen innerhalb des Unternehmens mit dem informellen und oft unstrukturierten Wissen anderer Mitarbeiter, Kunden oder Partnern vernetzt wird.

Auch Klein-Unternehmen sei empfohlen, sich damit auseinander zu setzen: Zu lernen, wo und was die entsprechenden Schaltflächen zur Initiierung von Open Innovation-Prozessen sind, um solche Synergien freizusetzen.

Was ist neu an Open Innovation?

Innovationen haben seit jeher das gleiche Ziel: Sie sollen Vorteile bringen, Wettbewerbs- oder Marktvorteile. Darum arbeiten die F&E Abteilungen der Chemie-, Pharma- oder Hightech-Unternehmen meist hinter geschlossenen Türen.

Geschlossene Innovationen haben für das Unternehmen vier Paradigmen:

  • Wollen wir von Forschung und Entwicklung (F&E) profitieren, so müssen wir sie selbst entdecken, entwickeln und vermarkten.
  • Entdecken wir die Innovation selbst! Wir  bringen sie dann als Erster auf den Markt bringen und sind die grossen Gewinner.
  • Wenn wir die meisten und die besten Ideen in unserem Segment kreieren, sind wir die Marktführer.
  • Wir müssen unser geistiges Eigentum schützen, so dass unsere Wettbewerber nicht von unseren Ideen profitieren können.

Die Angst vor Copy Cats war schon immer gross und der Schutz vor Industrie-Spionage kostet heute ebenso viel Mittel wie F&E.

KMU können sich jedoch keinen Firewall gegen Cyber-Spionage aufbauen. Sie sind den Synergien aller Geheimdienste ausgeliefert. Diese Erfahrung machte z.B. das ostfriesische Unternehmen enercon.

Offene Innvoationen stellen diese Paradigmen deshalb auf den Kopf:

  • Wir müssen nicht selbst der Ursprung der Forschung sein, um von ihr zu profitieren! Es ist besser, ein innovatives Geschäftsmodell aufzubauen, als der Erste auf dem Markt zu sein.
  • Wir können nur davon profitieren, wenn andere unser geistiges Eigentum nutzen. So verfährt die IT-Branche seit Jahrzehnten mit ihrer Software. Die offene API wurde die Basis des Web 2.0.
  • Wenn es dem Geschäftsmodell nutzt, kaufen wir einfach das geistige Eigentum anderer hinzu. So machte es Facebook mit BranchOut, Instagram, WhatsApp und vielen kleinen Apps. Microsoft kaufte lieber Yammer und Sharepoint auf, als selber Zeit und Geld für die Entwicklung eigener Lösungen zu investieren.
  • Wir fördern schon im Prototyping eine Interaktion zwischen der Expertise innerhalb des Unternehmens und außerhalb, d.h. mit  unseren Kunden und Partnern. So macht es u.a. auch BMW.
  • KMU müssen mit den Copy Cats leben. Doch Vorsicht! Oft sind gerade Copy Cats extrem bessere und schnellere Umsetzer der Ideen anderer. Mark Zuckerbergs Social Network ist nur eine der vielen Erfolgsgeschichten der Trittbrettfahrer.

Warum sollten KMU trotzdem Open Innovation einsetzen?

Viele kleine Unternehmen sind meist unterfinanziert und haben begrenzte Humanressourcen.

Sie müssen darum mit ihren wenigen Ressourcen kreativ umgehen. Doch die Industrie 4.0, ihr neues Ökosystem, wird wie die blue, green, orange economy und die damit verbundenen Zielgruppen immer anspruchsvoller und komplexer. Darum brauchen sie mehr Kapital, immaterielles und materielles, als ihre Vorgänger.

Risiko-Kapital oder Sympathie-Kapital? Im Doppelpack wäre das eine schöne Sache.

Doch Risiko-Kapital heisst nicht umsonst Venture-Capital, was soviel wie Wagnis bedeutet und nebenbei noch viele andere Risiken birgt. Ausserdem interessieren sich VC nur für KMU mit hohem und kurzfristigem Return on Investment, kommt meist aus den USA und scheut den deutschen Markt.

Sympathie-Kapital dagegen ist nachhaltiger. Es  ist angewandtes Crowdfunding. ohne dass die Beteiligten gleich zum Portemonnaie greifen müssen. Darum ziehen die KMU der  Makers Generation lieber die Open Innovation-Kreise:

Open Innovation Kreise

Sie sind dynamisch und effizienter als jedes Venture Capital.

Zum Weiterlesen, weil Sommer ist:*

ÜberAngelica Laurencon

Dr. Angelica Laurencon lebt und arbeitet in Berlin und Clermont-Ferrand als Mentorin und Unternehmensberaterin. Als Dozentin für internationale Masterstudiengänge im Internationalen Management gibt sie ihr Praxiswissen an die zukünftige Managergeneration weiter und begleitet sie als Mentorin für Community Management, Learning Management Systems und Workforce Marketing. Sie ist Gesellschafterin und Mitbegründerin von connect2communicate und Expertin für Wissenstransfer 2.0 und Learning Management im interkulturellen Kontext.

3 Kommentare zu Ist es möglich: Open Innovation für KMU?!

  1. Pingback:Neue Innovationskultur – warum das denn? | ununi.TV

  2. Lisa sagt:

    Wirklich interessant der OI Ansatz. Es ist vor allem für kleine Unternehmen und Startups auch zunehmend uninteressant sich im geheimen neue Inovationen zu entwickeln, da die großen Player diese relativ schnell und Problemlos immitieren und im schlimmsten Fall dann auch noch besser auf den Markt bringen. Auf der anderen Seite sehe ich innerhalb des Open Innovation Trends auch viel Potential für spezialisierte Sicherheits unternehmen (siehe Sicherheitstrainings ) deren Einsatz auch hier sehr wichtig erscheint. Natürlich werden bei OI viele Prozesse öffentlich gemacht aber das macht es noch viel wichtiger darauf zu achten auch hier bestimmte Informationen zurückzuhalten.

    • Angelica Laurencon sagt:

      Open Innovation ist Teil der O3 – Dynamik: Open Access, Open Source und bietet eine Alternative zur Online-Plattform Kapitalismus, der in allen Bereichen – Handwerker, Dienstleister, Wissensarbeiter, Feldarbeiter konzentriert. Jobs, Aufträge,Bestellungen gibt’s künftig nur noch über die Plattformen, die die grossen Gewinner des digitalisierten Markts sind. Besonders Startups sind im Visier der grossen Unternehmen, die sie bei Interesse schnell in ein Innovation-Hub einbinden und KMU werden durch die IHK und lokalen Träger gern in die Berater-Schleife der fünf Marktführer eingefädelt. Seilschaften. Netzwerke.

      Der O3-Weg bietet den KMU und Startups den interaktiven Wissenstransfer, Leistungstransfer, die Möglichkeit gemeinsam die Herausforderungen der Ausbildung, Forschung und Entwicklung zu tragen, die sie allein nicht stemmen können. Warum tun sie es nicht intensiv? Weil sich der ökonomische & technologische Überbau viel schneller entwickelt als der Unterbau (Marx).

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