OECD-Studie zu Erwachsenen, Computern und Problemlösung

Die OECD-Studie aus dem Jahre 2013 untersuchte die Fähigkeit von Erwachsenen, die Arten von Problemen zu lösen, denen sie als IKT-Usern normaler Weise begegnen in modernen Gesellschaften: E-Mails, Excel-Tabellen, Textverarbeitung und Websites.

Die Studie ist Teil einer größeren Untersuchung zu den Fähigkeiten von Erwachsenen. Aktuell wird sie fortgesetzt – diese hier vorliegenden Ergebnisse wurden im Herbst 2014 veröffentlicht.

Hier die Ergebnisse in einer visuellen Aufbereitung. Leider liegt die Grafik nur in dieser Auflösung vor.

OECD - Adult Skills

Die Ergebnisse im Überblick (laut Executive Summary):

  • Über alle OECD-Länder hinweg, die sich an der Studie beteiligten, verfügt 1 Drittel der Erwachsenen über das höchste Level an Fertigkeiten. Diese Erwachsenen können Probleme lösen, indem sie verschiedene Anwendungenkoordiniert nutzen. Sie können die Ergebnisse von Web-Suchen evaluieren und sie können auf gelegentliche ungewöhnliche Ergebnisse antworten.
  • Im Durchschnitt haben Erwachsene mit einer guten Lese-, Schreib- & Rechen-Kompetenz und jüngere Erwachsene (16-24 Jahre) bessere Fähigkeiten, Probleme in technologisierten Umgebungen zu lösen. Das gilt auch für Immigranten oder Menschen, die mit einer anderen Muttersprache aufgewachsen sind.
  • 8% der Erwachsenen bringt überhaupt keine Computer-Erfahrung mit ein.
  • Die geringe IKT-Kompetenz gilt es bei der Einführung von E-Government zu bedenken, so die OECD-Empfehlung.
  • Auch bräuchte es weiterer Trainingsprogramme in der Erwachsenenbildung, um diese Fähigkeiten weiter auszubauen.

Anmerkung acw:
Es gibt noch weitere Ergebnisse, aber sie klingen teilweise so banal, man hätte sie ohne Untersuchung gleich aus dem Handgelenk schütteln können. (Z.B. Erwachsene mit Hochschulabschluss und technologischer Kompetenz verdienen durchschnittlich mehr.)

Meine Vermutung ist:
Das Untersuchungsdesign ist selbst nicht ganz state-of-the-art. Es erscheint mir von einem sehr traditionellen OECD-Mindset geprägt zu sein: Formale Bildungsabschlüsse, E-Mail-Kommunikation, Internet-Suche – das ist alles Web 1.0. Soziale Netzwerke und mobile Zugänge scheinen gar nicht untersucht worden zu sein. Das verzerrt natürlich die aktuellen Ergebnisse ungemein. (Facebook existiert immerhin seit 10 Jahren!)

Leider fehlt mir die Zeit,
die Untersuchung jetzt selbst wissenschaftlich zu untersuchen. Ich denke aber, das ist eines der zentralen Problem der Übergangszeit: Die ausschreibenden Behörden und durchführenden Institutionen hinken selbst der Netzkompetenz so weit hinterher, dass ihre handlungsleitenden Empfehlungen nicht dem aktuellen Stand der Möglichkeiten entsprechen. Wie man dieses Problem der Unterkomplexität wiederum lösen könnte, ist mir auch noch nicht ganz klar.

Aber nehmen wir es positiv:
Wir wissen jetzt immerhin offiziell, dass nur 1 Drittel der Erwachsenen die Fertigkeiten mitbringt, sich selbstbestimmt im klassischen Internet zu bewegen. Das ist wirklich sehr bedenklich – und hier besteht dringender Handlungsbedarf!


Auszug aus The NeWoS vom 30. Juni 2015, unserer ununi.TV Rundschau (du kannst sie hier abonnieren)

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ÜberAnja C. Wagner

denkerin, netzwerkerin, mensch | .edu .ux .politik | co-founder of @frolleinflow & initiatorin @ununitv | weitere infos hier: http://acwagner.info

Ein Kommentar zu OECD-Studie zu Erwachsenen, Computern und Problemlösung

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