Neue Innovationskultur – warum das denn?

“Kaum eine Disziplin verändert sich aktuell so sehr wie das Management von Innovation. Auf der ISPIM Innovationskonferenz in Budapest trafen sich über 400 Forscher aus mehr als 30 Nationen. Bei dieser Konferenz war eine deutliche Trendwende zu spüren: Das klassische Innovationsmanagement spielt aus akademischer Sicht keine Rolle mehr.”  So startet der Beitrag von Jens-Uwe Meyer im Blog des HarvardBusinessManager unter dem Titel Forscher fordern neue Innovationskultur.

(c) Frits Ahlefeldt - HikingArtist.com

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Die interessantesten Passagen des Blogposts über die ISPIM Innovationskonferenz in Budapest von Anfang Juni 2015 fasse ich, weitestgehend zitierend, zusammen:

“Leider ist die Vorstellung, dass Innovation einem klaren Ablauf von der Ideengenerierung bis zur Umsetzung folgt, in den Köpfen vieler Vorstände, Geschäftsführer und Innovationsverantwortlicher noch immer fest verankert. Wissenschaftlich ist diese Vorstellung jedoch seit knapp zehn Jahren überholt.

Das Innovationsmanagement der Zukunft prägen zwei wesentliche Richtungen:

  • Die wachsende Bedeutung der Innovationsfähigkeit von Unternehmen
  • Die zunehmende Öffnung von Innovationsprozessen.

Diese beiden Richtungen werden auf der Konferenz durch eine Vielzahl wissenschaftlicher Studien repräsentiert.”

Vor allem der Entwicklung einer innovationsfördernden Kultur kommt dabei eine große Bedeutung zu. Dabei müssen verschiedene widersprüchliche Herausforderungen gemeistert werden.

Beispiel: “Bei der Zusammensetzung von Innovationsteams wirken unterschiedliche fachliche Hintergründe kreativitätsfördernd. Wenn die Teams zu unterschiedlich sind, kann es schaden.” Und nicht jede_r Mitarbeiter_in ist begeistert, wenn man sich plötzlich kreativ einbringen soll.

Aber: “Durch knapp 600 wissenschaftliche Studien ist Co-Creation mittlerweile stark professionalisiert worden und zu einer ernstzunehmenden Managementdisziplin herangereift.”

“Entsprechend ist es wichtig, die Ausrichtung eines Co-Creation Projekts (Marketing oder “echte” Innovation) von vornherein klar festzulegen. Auch für das Community-Management, die Integration interner Stakeholder und die Ergebnisauswertung gibt es klare Empfehlungen.”

“Die Öffnung von Innovationsprozessen macht es erforderlich, neue Kompetenzprofile von Mitarbeitern zu erarbeiten. Das von Daria Podmetina (Lappeenranta University of Technology / Finnland) entwickelte Open Innovation Competence Model umfasst 26 Kernkompetenzen, die Mitarbeiter und Teams entwickeln müssen. Dazu zählen gleichermaßen Collaboration Skills (z.B. Networking, Aufbau von Vertrauen) und Exlorative Skills (z.B. Flexibilität, Fehlertoleranz) als auch sog. Exploitative Skills (Management von Schutzrechten, Verhandlungsgeschick).”

Und es gilt auch, sich nach außen zu öffnen: “Ist es sinnvoll, Kunden in die Entwicklung innovativer Geschäftsmodelle einzubinden? Die klare Antwort: Ja. Kunden haben ein holistisches Verständnis: Sie sehen Unternehmen und deren Angebote als Ganzes und haben klare Vorstellungen davon, wie sich Produkte und Dienstleistungen zu einem einzigartigen Kundenerlebnis kombinieren lassen.”

Allen Anwesenden der Konferenz war klar: Es wird höchste Zeit für Europa, die Unternehmen radikal umzubauen!

Denn: “Indien und China gewinnen zunehmend an Bedeutung als internationale Innovations-Standorte: Die Städte mit den meisten Forschungs- und Entwicklungszentren befinden sich heute nicht in Europa oder den USA – sondern in asiatischen Ländern.”

So setzt China “auf eine klare Internationalisierungsstrategie und hat mit deutlichem Abstand die höchste Anzahl internationaler Patente.”

Was bedeutet das für kleine Unternehmen?

Für KMU besteht Hoffnung: Wenn sie ihr Netzwerk professionell ausrichten und Open Innovation Methoden nutzen, spielt die Unternehmensgröße keine Rolle im Wettbewerb. Sie sind agiler und zudem erfolgreicher als andere KMU, die sich nicht dieser Entwicklung stellen.

Diese Erkenntnis kann man bereits den Abstracts der wissenschaftlichen Konferenz-Paper entnehmen, die hier einsehbar sind und angeblich nach dem 15 Juli nicht mehr heruntergeladen werden können. (Einfach auf der Seite nach SME suchen – dann kann man sich einen schnellen Überblick über KMU-relevante Ergebnisse verschaffen.)

Für KMU auch interessant: Der Artikel von Angelica Laurençon zu Open Innovation für KMU hier bei uns …

Übrigens hat der Autor des HBM-Blogbeitrags ein Buch mit einer Studie zum Thema veröffentlicht: Wie Unternehmen ihre Innovationsfähigkeit nachhaltig steigern können. Für 178 Euro erwerbbar. (Ich habe es mir noch nicht geleistet…)


Auszug aus The NeWoS vom 14. Juli 2015, unserer ununi.TV Rundschau (du kannst sie hier abonnieren)

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ÜberAnja C. Wagner

thinker, networker, human | .edu .ux .politics | co-founder of @frolleinflow & initiatorin @ununitv | weitere infos hier: http://acwagner.info

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