Mitbestimmung und Unternehmenserfolg

Fast 12.000 Mitarbeiter aus den DACH-Ländern befragte Haufe im Dezember 2013 online. Die Umfrage umfasste alle Unternehmensgrößen und Branchen. 23 Prozent der Befragten waren in einer leitenden Position tätig. Wir zitieren hier die Ergebnisse, die sich seither sicherlich noch verstetigt haben. Die Studie selbst ist schön visualisiert. Man kann sie hier kostenlos downloaden.

Die Ergebnisse

Die Mitarbeiter dürfen hauptsächlich persönliche Dinge und die jeweilige Abteilung bzw. das jeweilige Team betreffende Dinge mitgestalten.


64% der Umfrageteilnehmer werden zum momentanen Zeitpunkt in Entscheidungen oder Befragungen eingebunden, die Kollegen betreffen. Ein Großteil davon bezieht sich auf die Beurteilung von Kollegen.

Jeder dritte Mitarbeiter hat Verbesserungsvorschläge eingebracht, die über seinen persönlichen Bereich hinausgehen [und die Unternehmensführung betreffen].

Ein Großteil der von den Mitarbeitern eingebrachten Ideen oder Vorschläge wurde auch besprochen und bereits umgesetzt.

Die Umsetzung der Ideen wird aber offensichtlich vom Management nicht ausreichend kommuniziert. Mehr als 80% aller Mitarbeiter glauben, dass mehr als die Hälfte der Ideen gar nicht bei den Verantwortlichen ankommt.

Mehr als drei Viertel wünschen sich, mehr Einfluss auf das Unternehmen betreffende Entscheidungen nehmen zu können.

Als Hauptgrund für die Steigerung des Einflusses auf Entscheidungen im Unternehmen nennen die meisten Befragten eine dadurch erhöhte Leistungsbereitschaft und Motivation.

Knapp die Hälfte aller Mitarbeiter wünschen sich sogar mehr Mitspracherecht bei Themen, die die Unternehmensführung betreffen.

Knapp drei Viertel gehen davon aus, dass das jeweilige Unternehmen erfolgreicher wäre, wenn sie die Mitarbeiter stärker einbringen könnten.

In kleineren Unternehmen gehen [jedoch] weniger Mitarbeiter davon aus, dass das jeweilige Unternehmen durch mehr Mitspracherecht der Mitarbeiter erfolgreicher wären.

Mehr als ein Drittel der Befragten geht davon aus, dass seine Führungskraft nicht vom Team gewählt worden wäre. Weitere 25% wollten sich zu diesem Thema lieber nicht äußern.

Ein Großteil der Befragten ist der Meinung, sich mit den eigenen Fähigkeiten und Wissen an der richtigen Position im Unternehmen zu befinden.

Mitarbeiter in Leitungspositionen geben häufiger an, mit ihren Fähigkeiten an der richtigen Position im jeweiligen Unternehmen angestellt zu sein.

Das Fazit von Haufe

Die Entwicklung ist irreversibel. Partizipation ist keine Modeerscheinung, die bald wieder vorbeigeht!

Wenn Unternehmen den gesellschaftlichen Wandel nicht berücksichtigen und Mitarbeitern kein Gehör schenken, riskieren sie kurz- bis mittelfristig ein abnehmendes Engagement ihrer Belegschaft und ein höheres Risiko, dass sich die Arbeitnehmer über andere Kanäle äußern. Langfristig werden solche Unternehmen größte Schwierigkeiten haben, wettbewerbsfähig zu bleiben und Mitarbeiter zu finden.

Die Zielsetzung sollte daher sein, klassisch-hierarchische Unternehmen in Social Enterprises zu transformieren. Das bedeutet, allen Mitarbeitern Vertrauen entgegenzubringen, ihnen Raum zum Informationsaustausch und zur Meinungsäußerung zu schaffen und sie aktiv in die Unternehmensgestaltung und -entwicklung einzubeziehen.

Die Mitarbeiter sind in Social Enterprises Mitentscheider, die wesentlich zum Unternehmenserfolg beitragen. Dadurch profitieren Unternehmen gleich in mehrfacher Hinsicht: Sie erhöhen die Entscheidungsqualität, die Reaktionsfähigkeit ihrer Organisation und die Motivation der Mitarbeiter.

Was bedeutet das für Kleinunternehmen?

Auch wenn sich laut dieser Studie Mitarbeiter in kleinen Unternehmen weniger drängend eine Mitbestimmung wünschten, zeigen diese Ergebnisse einen gesamtgesellschaftlichen Trend, wohin sich die Ansprüche entwickeln.

Will man also attraktiv sein für zukünftige Mitarbeiter, empfiehlt es sich, das Team in die Unternehmensführung einzubeziehen und sie so die weitere Entwicklung mitgestalten zu lassen. Am besten gleich pro-aktiv – und dann braucht es auch nicht gleich solch grosser Begriffe wie “Social Enterprise”.


Auszug aus The NeWoS vom 1. September 2015, unserer ununi.TV Rundschau (du kannst sie hier abonnieren)

newos_logo

ÜberAnja C. Wagner

denkerin, netzwerkerin, mensch | .edu .ux .politik | co-founder of @frolleinflow & initiatorin @ununitv | weitere infos hier: http://acwagner.info

Schreibe einen Kommentar

Bitte nutze deinen richtigen Namen.