Kettenaktionen #VUCA (III/02)



Auf den Schultern der anderen

Die ökonomischen Folgen der Internet-Revolution beruhen weitgehend auf den Kapazitäten der Algorithmen und ihrer potentiellen Viralität. Sie ermöglichen die Datenkonzentration, ihre virale Vernetzung und Speicherung.

Google, Amazon, Ebay, Facebook und auch das LinkedIn-Gründerteam entwickelten daraus früh monopolartige Geschäftsmodelle mit globaler Reichweite, die unendlich erweiterbar und einträglich sind.

Dass man mit dem Long Tail und dem Netzwerkeffekt mehr Geld verdienen kann als mit Autos und Hardware, war vor knapp zehn Jahren selbst den renommiertesten Ökonomen in Europa nicht klar.

Die Webökonomie, das Business 2.0 und die Kollateralentwicklungen des Internets der Dinge und der Industrie 4.0 sind die konsequente Weiterführung von „Capitalism and Freedom“ (1962) und „Free to Choose“ von Milton Friedman (1980) mit einer Prise „Wikinomics“ und ein paar Tropfen „Socialnomics“ im theoretischen Überbau.

Dass diese neuen Kommunikationstechnologien zusammen mit den Management-Theorien der 80er und 90er Jahre, den Algorithmen und dem Hochfrequenzhandel in kürzester Zeit auch den Märkten und vor allem den Arbeitsmärkten einen ganz neuen Rhythmus und eine globale Reichweite geben würden, überzeugte nur eine kleine Minderheit zwischen MIT und Stanford in den 90er Jahren, als Bill Gates den PC in alle Haushalte brachte und die Mikroprozessoren und die Webbrowser die schnelle grenzenlose Datenübertragung weltweit ermöglichten.

Diese unterschwellige digitale Revolution betrifft zwei pragmatische Probleme der Arbeitsvermarktung: Wie und wo kommt das Angebot zeitgerecht und marktgerecht zur Nachfrage?

Dabei geht es nicht nur um die kostengünstigste Personalbeschaffung in den Agrar-, Lebensmittel-, Hotel- und Bauunternehmen, sondern um hoch qualifizierte Wissensarbeiter, die digital fit, fachlich kompetent, vielsprachig, mobil, flexibel und agil sind und in sich schon die Ansätze der nächsten Revolutionswellen tragen. Wo und wie werden sie gefunden, wenn man sie just in time und auch dann nur kurz- oder mittelfristig braucht?

Sicher nicht auf dem Arbeitsamt. Es gibt kein Arbeitsamt der Webökonomie, aber dafür inzwischen viele Online-Plattformen, die grenz- und sprachübergreifend an der Jobvermarktung mitverdienen wollen.

Sie haben sich alle sehr smarte englische Marketingnamen zugelegt, die aber immer die Realität der Zielgruppen ansprechen: Experteer, Stepstone, Freelance.com, Odesk, Elance usw.

Die schwerfälligen nationalen Arbeitsagenturen waren noch nie effizient. Betriebswirtschaftlich sind sie ruinös und volkswirtschaftlich ist ihr ROI unbedeutend. Darum verlangte die FDP schon 2005 die Abschaffung dieser „nationalen Umverteilungsmaschine von Arbeitslosengeldern“. Inzwischen sind sie von der digitalen Revolution und der Webökonomie endgültig überfordert und von den Fakten überholt worden.

Die Sozialen Netzwerke für Business und Jobvermarktung jedoch stellen auf dem Jobmarkt des 21. Jahrhunderts zeitgerechte modulare Leistungen bereit, wie Suchmaschinenoptimierung, informelle Interaktion, UGC (User Generated Content) und Viralität und dazu immer neue Dienstleistungen. Hier bekommen alle ihre eigene Vitrine, in der das Personal Branding, das Firmenimage, das Alleinstellungsmerkmal vermarktet werden dürfen.

Unternehmen können hier aktives Workforce Marketing und proaktives Arbeitsmarketing 2.0 einsetzen und dabei auch ständig an ihrem Arbeitgeberprofil feilen. Das wäre für manches Unternehmen die Gelegenheit sein lädiertes oder unprofessionelles Image aufzuhübschen und so qualifizierte Bewerber anzuziehen. Noch wollen viele junge Studenten lieber für den Staat arbeiten als in die freie Wirtschaft zu gehen.

Sie haben Angst vor der Zukunft und Unbehagen den Unternehmen gegenüber.

In den Sozialen Netzwerken für Business, die sich seit 2009 gezielt im Social Media Recruiting positionieren, bekommen Jobsuchende die Gelegenheit, sich professionell als Experten oder als kreative Lösungsfinder zu vermarkten. Hier dürfen sie beweisen, wie aktiv sie in der Wissensgesellschaft des 21. Jahrhunderts unterwegs und wie gut sie in der globalen Webökonomie vernetzt sind.

Alle dürfen auf den Businessplattformen mitspielen und Strategien, Software, Tipps und Tools austesten. Sie können sich im SEO und Ranking versuchen, Netzwerke aufbauen und jeden Tag etwas Neues ausprobieren.

Nebenbei sollen sie auch gleich zeigen, dass sie ein aktives Mitglied der Wissensgesellschaft des 21. Jahrhunderts sind und die vier Grundkomponenten beherrschen: Digitale Fitness, immer auf den Wellen der Innovationen und neuen Ideen surfen, virale Effizienz und vor allem Content Creator zu sein, d.h. die Fertigkeit zu besitzen, selber professionelle Inhalte zu erstellen und zu kommunizieren.


  • Stay tuned

    Der nächste Auszug folgt demnächst.


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ÜberAngelica Laurencon

Dr. Angelica Laurencon lebt und arbeitet in Berlin und Clermont-Ferrand als Mentorin und Unternehmensberaterin. Als Dozentin
für internationale Masterstudiengänge im Internationalen Management gibt sie ihr Praxiswissen an die zukünftige Managergeneration weiter und begleitet sie als Mentorin für Community Management, Learning Management Systems und Workforce Marketing.

Sie ist Gesellschafterin und Mitbegründerin von connect2communicate und Expertin für Wissenstransfer 2.0 und Learning Management im interkulturellen Kontext.

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