In Transition #VUCA (III/04)



Panta rhei

Die Revolution auf dem lokalen und globalen Arbeitsmarkt begann in den 80er Jahren in den USA, teils durch massive Markteinbrüche, teils durch Missmanagement wie bei IBM, Dell, General Motors. Gefördert wurde sie aber vor allem durch die Lean-Management-Strategie, die aus Mammuts viele kleine Leoparde machen sollte.

Dabei wurden Prozesse und Daten konzentriert und beschleunigt und Großunternehmen in Insellandschaften zerlegt. Aus Silos und Pyramiden wurden Archipele, die viel besser und leichter überschaubar sind – von oben, wohlgemerkt. Die neuen Office-Technologien, die Microsoft gleichzeitig auf den Markt brachte, machten Millionen Angestellte überflüssig.

Jeremy Rifkin hat 1995 eine erste Bilanz dieser ersten Zerstörungswelle gezogen und sich damit auch gleichzeitig viele Feinde gemacht, sowohl im neoliberalen Lager als auch in den Kreisen der Keynesianer.

Mit der simultanen Datenübertragung im Internet befreiten sich die Unternehmen außerdem von den Zwängen der lokalen Arbeitsmärkte und den Machtkämpfen mit Gewerkschaften. Streiks oder Personalknappheit waren plötzlich keine überzeugenden Verhandlungsargumente mehr. Der starke Arm der Arbeiterklasse kann vielleicht Maschinen und Roboter zerstören, ist aber kraftlos gegen die immaterielle Software einerseits und die Konkurrenz aus den Billiglohnländern andererseits.

Das Internet und die neuen Kommunikationstechnologien geben dem Management den Vorteil der absoluten Ubiquität. Die Manager und Entscheider bekamen auf einmal den globalen Überblick über die VUCA Welt, die für die Arbeitnehmer ganz unten immer unübersichtlicher wird.

Anders als in den reichen Industrieländern der EU, wo die Bevölkerung weiter mit Wahlparolen wie „Wir sichern Arbeitsplätze“ von der Realität ferngehalten wurde, haben die Amerikaner schon in den 80er Jahren den massiven Stellenabbau arbeitsintensiver Bereiche erfahren und sich schnell anpassen müssen.

Der Harvard-Professor Theodore Levitt zeigte 1983 das ökonomische Ausmaß dieser globalisierten Märkte. Aus der Fragmentierung der Unternehmenslandschaft in immer kleinere Einheiten entstand binnen einer Generation die Freelance-Ökonomie, die in den USA 2014 schon 53 Millionen Wissensarbeiter beschäftigt.


  • Stay tuned

    Der nächste Auszug folgt demnächst.


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ÜberAngelica Laurencon

Dr. Angelica Laurencon lebt und arbeitet in Berlin und Clermont-Ferrand als Mentorin und Unternehmensberaterin. Als Dozentin für internationale Masterstudiengänge im Internationalen Management gibt sie ihr Praxiswissen an die zukünftige Managergeneration weiter und begleitet sie als Mentorin für Community Management, Learning Management Systems und Workforce Marketing. Sie ist Gesellschafterin und Mitbegründerin von connect2communicate und Expertin für Wissenstransfer 2.0 und Learning Management im interkulturellen Kontext.

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