Im Zeitraffer #VUCA (I/05)



Welche Veränderungsschübe beschleunigen den Paradigmenwechsel am Arbeitsmarkt?

vuca_kap1Die Globalisierung, die Webökonomie und das flexible Kapital!

Was verändern sie am Ende des Stranges, wo der Mensch die Arbeit macht und die Arbeit den Menschen?

Der amerikanische Soziologe Richard Sennett hat diesen Prozess schon vor zwei Jahrzehnten anhand von Fallstudien in den USA eindeutig analysiert. Was damals eine Bestandsaufnahme der Veränderungsschübe auf dem amerikanischen Arbeitsmarkt der 80 und 90er Jahre war, erreicht heute das alte Europa, das nicht darauf vorbereitet ist, weil es die Arbeit immer noch mit sozialer Sicherheit verknüpft.

Weder die Freelance Ökonomie noch die harten Fakten des herannahenden TTIP werden von der Gesellschaft als Paradigmenwechsel wahrgenommen. Der bringt jedoch viel mehr als nur die Ablösung der Festanstellung durch prekäre Arbeitsverhältnisse. Er bringt den Wissensarbeiter nach vorn an die Front der Wissensgesellschaft und macht ihn zum letzten homo laborans.

Dass die Zukunft den Wissensarbeitern gehört, wiederholen die „Entscheider der Welt“ alle Jahre wieder bei ihrem Treffen in Davos. Es ist eine klare Warnung an all jene, die nicht im globalen Wissensfluss mitschwimmen wollen. Es klingt aber auch nach Belohnung für die Streber der Wissensklasse XYZ, die in der MINT-Liga der Wissensgesellschaft des 21. Jahrhunderts mitspielen können.

Wird sich aber aus den Arbeitern der Wissensgesellschaft 21 wieder eine einflussreiche Elite entwickeln, nach dem Vorbild der Schreiberkaste zur Zeit der Pharaonen, die aus ihrem Wissen politische Macht und Einfluss schöpfte? Oder werden die Wissensarbeiter der Webökonomie am Ende nur die Plebejer der digitalen, blauen oder grünen Ökonomie sein? Die Plebejer waren zwar die freien Bürger Roms. Ihnen fehlte nur der Status der Patrizier und deren Reichtum, um aus ihrem Dasein ein arbeitsfreies Leben zu machen.

Schreiber und Plebejer lebten jedoch in Zeiteinheiten, in denen sich ihr Wissen und der damit verbundene Status über viele Generationen hin entwickelten. In VUCA Zeiten ist das Wissen kurzfristig und wird von anderen Kräften vorangetrieben:

  • Das flexible Kapital zwingt die Märkte und die Unternehmen in die Kurzfristigkeit. Für die agile Kurzfristigkeit des Kapitals sind alle langfristigen Bindungen hinderlicher Ballast.
  • Die Globalisierung verkürzt nicht nur Zeit und Raum, sie schafft vor allem eine neue Sichtweise. «Die Welt ist flach», so Thomas Friedman, denn die Globalisierung 21 präsentiert sich dank der neuen Ubiquität flach wie eine Landkarte auf den Bildschirmen vor den Augen der Entscheider. Dank dieses permanenten Flachbildes können sie in 3D selbst die kleinsten Knotenpunkte der globalen Vernetzungen gleichzeitig erfassen und simultan lösen.
  • Die Webökonomie entwickelt sich aus der digitalen Revolution und deren Folgeerscheinungen. Durch ihre Viralität bringt sie in immer kürzeren Zyklen neue Technologien und Innovationen auf den globalen Markt. Daraus entstehen neue Geschäftsmodelle, neue Unternehmen, neue Bedürfnisse und neue Herausforderungen. Die Produkte der kommenden Innovationswellen werden noch schneller entwickelt, hergestellt und optimal vermarktet werden als die überflüssigen Waren der Konsumgesellschaft.

Angewandte Kurzfristigkeit im Unternehmensalltag heisst heute just in time und betrifft nicht nur die Logistikbranche, sondern auch alle Dienstleistungsbereiche und die Industrie.

Angewandte Kurzfristigkeit ist auch die Dynamik der „Makers“, die die digitale Revolution wieder mit der realen Welt der Erfinder und Tüftler zusammenbringen.


  • Stay tuned

    Der nächste Auszug folgt demnächst.


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ÜberAngelica Laurencon

Dr. Angelica Laurencon lebt und arbeitet in Berlin und Clermont-Ferrand als Mentorin und Unternehmensberaterin. Als Dozentin
für internationale Masterstudiengänge im Internationalen Management gibt sie ihr Praxiswissen an die zukünftige Managergeneration weiter und begleitet sie als Mentorin für Community Management, Learning Management Systems und Workforce Marketing.

Sie ist Gesellschafterin und Mitbegründerin von connect2communicate und Expertin für Wissenstransfer 2.0 und Learning Management im interkulturellen Kontext.

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