Ideenkonfluenz (#VUCA III/06)



Auf dem Floß der Medusa

Die Social Media Online-Plattformen wurden immer notwendiger für die hoch qualifizierten Erwerbstätigen, die von den Unternehmen freigesetzt und von den traditionellen Jobagenturen gar nicht mehr vermittelbar sind. Für sie gibt es nur noch als Freelancer und als Selbstunternehmer ein tätiges Weiterleben. Nur so können sie noch ihre Kompetenzen vermarkten.

Viele versuchen sich als Geschäftsleute, verwirklichen ihren Traum vom Yoga-Studio, Coffeeshop mit oder ohne Buchladen. Nur wenige erreichen den break-even point und viele stocken als Freelancer auf. Sie gibt es inzwischen zu Millionen und sie bilden das Hauptkontingent der neuen Freelance-Ökonomie, die gleichzeitig zum Karpfenteich von spezialisierten kommerziellen Online-Plattformen wird.

Bis in die 90er Jahre fehlten die technologischen Erfindungen, um das globale Überangebot an Humanressourcen einerseits mit dem lokalen Bedarf oder Mangel an Arbeitskräften andererseits zu verknüpfen. Wesentlich ist ja dabei, alle Daten simultan von überall her in Echtzeit zugänglich zu machen.

Manpower besaß zwar seit den 80er Jahren schon das Monopol der Vermarktung der Zeitarbeit, schaffte aber nicht rechtzeitig den Sprung zum Betreibermodell (Multi-Sided Platform, MSP) und in die schöne neue Welt der Algorithmen.

Außerdem ist Manpower eine Zeitagentur, die im unteren Segment des Arbeitsmarktes genormte Jobs bedarfsorientiert vermittelt. Die Social-Media-Plattformen für Business sind dagegen überall gleichzeitig präsent und entgrenzen die Jobvermarktung nicht nur geografisch oder sektoriell, sondern auch strukturell und organisatorisch. Sie können auch bedarfsweckend wirken.

Dank der MSP fangen sie alle und alles simultan und überall auf: Passive und aktive Stellensucher und Anbieter, Daten und Informationen. Es fehlte nur noch ein überzeugendes Marketingkonzept und der „offene“ Rahmen, um wertvolle Daten von den Mitgliedern zu bekommen, und zwar umsonst und reichlich.

Das LinkedIn-Gründerteam hatte schon früh erkannt, dass man aus einem Sozialen Netzwerk und Online-Portalen viel mehr machen kann als nur ein Web-Dazibao oder einen Chatroom mit Werbekanälen, wie ihn Facebook weltweit durchsetzte.

Die Vermarktung der Arbeit wird nämlich in der VUCA-Welt des 21. Jahrhunderts zu einer viel nachhaltigeren Einkommensquelle für jene, die die komplexe Realität technologisch verarbeiten und schnell ihre Monopolstellungen sichern. LinkedIn war hier nicht nur Vorreiter, sondern hat heute mit 300 Millionen Nutzerprofilen die globale Vormacht (China ausgenommen) im Jobmarketing 2.0, bleibt aber offiziell ein Soziales Netzwerk für Business. Facebook versucht seit 2008, sich mit BranchOut auf diesem Markt zu positionieren.

Der LinkedIn-Untertitel “For Business” klingt unverfänglich und unverbindlich. Er benennt jedoch sofort die Zielgruppe und erklärt die Absicht: Es ist ein Soziales Netzwerk, aber for Business People Only! Teens, Spanner oder Spammer, inaktive Lurker und Surfer sollen sich woanders austoben.

Außerdem wird auf Sozialen Netzwerken für Business ein klares Profil und eine professionelle Aussage verlangt. Authentizität steht in der Hausordnung und Transparenz soll Vertrauen aufbauen.

Natürlich darf jeder auch in einem Sozialen Netzwerk für Profis bleiben, sogar unter einem Pseudonym, ohne Profil und Foto. Er ist dann halt nur Staffage und outet sich als Netztrottel. Für Suchmaschinen existiert ein Profil ohne relevante Inhalte gar nicht.


  • Stay tuned

    Der nächste Auszug folgt demnächst.


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ÜberAngelica Laurencon

Dr. Angelica Laurencon lebt und arbeitet in Berlin und Clermont-Ferrand als Mentorin und Unternehmensberaterin. Als Dozentin für internationale Masterstudiengänge im Internationalen Management gibt sie ihr Praxiswissen an die zukünftige Managergeneration weiter und begleitet sie als Mentorin für Community Management, Learning Management Systems und Workforce Marketing. Sie ist Gesellschafterin und Mitbegründerin von connect2communicate und Expertin für Wissenstransfer 2.0 und Learning Management im interkulturellen Kontext.

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