Fördern und fordern: Kollaborative Kompetenz

Kleiner Exkurs

“Viele Produzenten in Deutschland, muss man leider sagen, leben von den Fördermitteln. Sie rechnen gar nicht damit, dass der Film Geld macht. Sie stecken das Geld nicht in den Film, sondern in die Firma. Es gibt 280 Filme in Deutschland pro Jahr. Wie viele funktionieren davon? Und wie viele Filmproduktionen gibt es? Wie viele davon haben noch nie einen Hit gemacht und fahren trotzdem einen Porsche?”

Till Schweiger als Erklärung auf die Frage von Fahri Yardim in "Durch die Nacht mit ...", warum im deutschen Filmgeschäft so viele Filme floppen (Arte am 5. April 2015 - hier in der Mediathek)

Unser real existierendes Bildungsystem

Obiges Zitat liesse sich auf mindestens 90% der Fördermittel im Bildungsbereich übertragen.

Zum einen fliessen die Gelder zu mehr als 70% in die Verwaltung. Das ist ganz offen bekannt und “common sense”.

Hinzu kommen halbherzige Realisierungen der beantragten Ziele, weil die meisten Projektarbeiter/innen entweder nur befristet angestellt sind. Oder auch eher dem Verwaltungsapparat zuzurechnen sind, da sie eigentlich nur Projekte verwalten. Darüber wird weniger oft gesprochen – genau genommen eigentlich nie.

Gut, in der Bildung geht es auch nicht darum, Geld zu machen, werden jetzt einige sagen. Stimmt bedingt schon, aber statt “Geld machen” liesse sich auch sagen: Vom Publikum erfolgreich angenommen. Ah, das läuft auf die MOOCs raus, die “Massive Open Online Courses”, oder?

Ja, zum einen. Aber es geht um mehr. Es geht um das Versagen der öffentlich geförderten Bildungspolitik, die Zukunft aktiv mitzugestalten. Vor allem aus Sicht von Klein-Unternehmen, die das Gros der Firmen ausmachen, die unsere Zukunft innovativ mit gestalten sollen.

Ein Blick auf den Status Quo

(auch wenn er auf 2010 verweist)

Warum auch immer diese Zahlen nicht in Echtzeit aus bestehenden Datenbeständen transparent ausgelesen werden können: Dies sind die aktuellsten Zahlen, die im Überblick vorliegen.

Bildungsausgaben
Die Zahlen machen deutlich, wie abhängig auch kleine Unternehmen von den Bildungsaktivitäten in staatlich geförderten Institutionen sind.

Grün markiert:

Im deutschsprachigen Raum hat sich eine Mentalität breit gemacht, die kaum gewillt ist, für Bildungsaktivitäten selbst Geld in die Hand zu nehmen.

Insofern kann man als Unternehmen kaum darauf bauen, die Menschen würden sich schon angesichts der Herausforderungen der Zukunft adäquat weiterbilden. Sie warten auf kostenfreie Angebote – und da kommen die MOOCs gerade recht, so schlecht auch immer sie derzeit daher kommen.

OK, immerhin, wird man denken: Bauen wir also MOOCs. Aber damit wird die institutionelle, wenig flexible Logik nicht durchbrochen.

Als Unternehmen ist man weiterhin davon abhängig, darauf zu vertrauen, irgendwie kämen aus diesen Maßnahmen kompetente Menschen heraus. Und darauf zu setzen angesichts der Verwaltungsmentalität (siehe oben), dürfte fatal verlaufen für agile, kleine Unternehmen.

Orange markiert:

Die Aufwendungen der betrieblichen Weiterbildung, die vermutlich vorrangig in den Gross-Unternehmen ausgegeben werden. Bei Kleinunternehmen sind ja kaum zeitliche wie finanzielle Mittel vorhanden.

Der Rest:

Nach alten Zertifizierungsregeln geförderte Maßnahmen. Nahezu ohne Bezug zur Welt von morgen.

Nun gut, liesse sich jetzt sagen: Wir wissen, dass das Gros der Weiterbildung sowieso informell verläuft. Als beiläufiges “training-on-the-job”. Insofern ist es eh wurscht, was in den (non-) formalen Angeboten so läuft.

Ja, stimmt. Aber ob dieser quasi-natürliche Prozess angesichts der Herausforderungen der Netzwerk-Gesellschaft noch ausreichend sein wird, darf bezweifelt werden.

Die Kompetenzen des 21. Jahrhunderts gehen weit über die alte Fachkompetenz hinaus. Und diese Erkenntnis muss in die Köpfe rein.

Heute sind an zentralen Kompetenzen gefordert:

  • Kommunikation
  • Kollaboration
  • Kreativität
  • Kritisches Denken

Und ich würde noch hinzufügen wollen: Resilienz!

Wo lernt man das?

Selbst junge Menschen, die den gesamten staatlichen Bildungsprozess noch durchlaufen, werden diese Kompetenzen dort kaum lernen.

Und wie eignen wir Ältere uns dies erst an?

Darüber machen wir uns bei ununi.TV so einige Gedanken. Ob ihr beispielsweise für die kollaborative Kompetenz gerüstet seid, habe ich euch in einem Fitness-Test zusammen gestellt.

Hier geht’s zum kostenfreien, selbstständigen Durchblättern:


Grundlage als Auszug aus The NeWoS vom 7. April 2015, unserer ununi.TV Rundschau (du kannst sie hier abonnieren)

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ÜberAnja C. Wagner

thinker, networker, human | .edu .ux .politics | co-founder of @frolleinflow & initiatorin @ununitv | weitere infos hier: http://acwagner.info

Ein Kommentar zu Fördern und fordern: Kollaborative Kompetenz

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