Employer-Branding: Klein, aber kreativ!

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Tipps, Tools & Tutorials für Klein(st)unternehmen im Umbruch

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Was bleiben die vier Prioritäten aller Klein(st)unternehmen 21 ?

  1. Aus Wissen und Technologien Produkte und Leistungen entwickeln und sie effizient vermarkten.
  2. Die aktuellen Technologien in den Arbeitsprozessen effektiv einsetzen.
  3. Qualifizierte und motivierte Mitarbeiter suchen und finden.
  4. Kreative Wege der Finanzierung einschlagen.

Vor allem Punkt 3 wird für viele KMU 21 in der digitalen Revolution zu einer Existenzfrage.

Die Digitalisierung setzt in immer kürzeren Zyklen Technologien und Potenziale frei, für deren Weiterverwertung hochqualifizierte Entwickler und intelligente Anwender gebraucht werden.

Doch weder die einen noch die anderen wurden an den bestehenden Bildungseinrichtungen bedarfsgerecht ausgebildet. So können hochqualifizierte MINT-Fachkräfte mit digitaler Fitness heute wählerisch sein.

Durch das Arbeitgeber-Ranking wird das Employer-Branding, die Vermarktung der eigenen Arbeitgeber-Marke zur neuen Werteinheit.

Für KMU ist das eine zusätzliche Herausforderung, die sie neben allen anderen Kernaktivitäten bewältigen müssen.

Marke & Employer Branding

Employer-Branding bringt KMU in direkte Konkurrenz zu den Grossunternehmen. Letztere haben bereits eine etablierte Marke, eine Firmenidentität, einen Kundenstamm und viele aktive und passive Communities in den Sozialen Medien.

CC BY Nick Walker https://www.flickr.com/photos/therelevantauthorities/2785790467/

CC BY 2.0 Nick Walker: Piccadilly Circus

Das Employer-Branding stützt sich auf diese Marke, ihren Ruf und ihr Prestige. Durch ihr Markenzeichen sind die Grossunternehmen auch im Employer Branding und Recruiting 4.0 einfach besser aufgestellt. So zieht es die junge Generation von Bewerbern vor allem zu den Big Playern als Arbeitgeber.

Kleinunternehmen dagegen haben oft gute Ideen, manchmal sogar einen guten Ruf, aber ganz selten ein klares Branding. Ihr Firmenname, Logo, Branding und Produkt überzeugen allenfalls die Kunden.

Ihr Employer-Branding müssen sie jedoch auf freiem Feld erstellen und sich dabei auf die drei anderen Eckpunkte konzentrieren. Dafür brauchen sie zwar wenig Kapital, aber viel Kreativität und Ausdauer.

Smarter Working

Das KMU kann als besonders innovativer und glaubwürdiger Arbeitgeber überzeugen, wenn es veranschaulicht,  wie es die technologischen Errungenschaften zum Vorteil aller in die Arbeitsumgebung einbindet.

Bewerber interessieren sich nicht für jede Produkt- oder Produktionseinzelheit oder gar komplexe Firmengeschichten. Es muss fühl- und sichtbar werden, dass die Arbeit im Unternehmen Freude macht und dass das Unternehmen nicht nur mit der Zeit geht, sondern den anderen bereits einen Schritt voraus ist.

Wie das geht, veranschaulicht Netflix, auch wenn sie kein KMU mehr sind. In ihrer Präsentation der Netflix Culture bekommt der aufmerksame Betrachter nicht nur die Gebrauchsanleitung, sondern gleichzeitig die Werkzeuge frei ins Haus.

Die neue Arbeitgeber-Kommunikation

Viele Kleinunternehmen haben immer noch eine begrenzte Reichweite und sind darum vor allem lokal und analog in ihrer Eigenschaft als attraktiver Arbeitgeber aktiv:

In den Coworking Spaces, den Fablabs der Hochschulen und angedockten Unternehmen forschen und arbeiten viele junge Talente und kreative Köpfe. Dort bilden sich die Startups und da könnten auch KMU jenseits des break even-point ihren Stammtisch haben.

Klassische Recruiting Messen oder Partnerschaften mit Hochschulen eignen sich ebenfalls, um am Employer Branding zu arbeiten.

Auch mit visuellen Außenauftritten (Elevator Pitch) lösen Kleinunternehmen einen „WOW“ Effekt aus. Die zahlreichen Innovations-Events sind die Bühne, um die Resonanz  in der realen Welt auszutesten.

Die Social Media Kanäle wie BranchOut, LinkedIn, XING erlauben zudem die virale Verbreitung dieser neuen Arbeitgeber-Kommunikation.

Auf  Xing oder auf der LinkedIn Firmenseite profiliert sich das Unternehmen als kreativer Arbeitgeber, indem es Mitarbeiter-Profile, Expertise, Projekte und Gruppenaktivitäten mit vernetzt. Die JYMBII Funktion bekommt dadurch gleichzeitig einen interaktiven Hintergrund.

Workforce Marketing

Das Arbeitsmarketing gewinnt somit im Employer-Branding zunehmend an Bedeutung. Anders als bei Großkonzernen können die Mitarbeiter eines KMU ihre Expertise unmittelbar sichtbar machen und über die Sozialen Plattformen oder Social Media Kanäle mit Kunden, Partnern und künftigen Kollegen interagieren.

Die endgültige Entscheidung für oder gegen ein Unternehmen wird immer von Emotionen gesteuert. Für Porsche oder BMW zu arbeiten gibt zwar dem Ego einen heftigen Kick. Der wird aber schnell von der Realität eingeholt.

Erfahrene Fachkräfte schauen darum heute eher auf das Arbeitgeber-Ranking anstatt auf das Marken-Ranking. Und da haben die Kleinunternehmen noch immer gute Karten.

Wie gut man damit spielen und gewinnen kann, zeigt dieses Beispiel aus deutschen Landen. Häcker Automation bekam den 1. Platz der Top 100 Innovatoren KMU 2015 aufgrund ihrer Open-Innovation-Plattform „OurPlant“.

OurPlant ist eine Mikromontageanlage und deshalb so einzigartig, weil damit viel schneller neue Anlagen für die Fertigung von Mikro- und Nanoteilen gebaut werden können. Zudem besticht OurPlant mit einer Besonderheit: Die Open-Innovation-Plattform lebt von der aktiven Community, die bisher aus 15 Partnern besteht.

“Aber Gerrit Häcker punktete bei „Top 100“ nicht nur mit der Einzigartigkeit des Projektes, sondern auch mit dem überaus guten Innovationsklima in seinem Betrieb. Bildungsurlaub, ein individuelles Entlohnungssystem und die Förderung des Ideenreichtums der Mitarbeiter machen die Häcker Automation zu einem attraktiven Arbeitgeber in der Region.”

Dieser innovative Geist setzt sich auch bei der Präsentation des Unternehmens fort: Alle Mitarbeiter haben einen Namen und ein Gesicht, auch wenn die Profile keine Hyperlinks zu den Sozialen Plattformen und keine @ haben, was auf einer US Seite normal ist. Aber immerhin, und auf der Karriere-Seite werden nicht nur Stellen ausgeschrieben, sondern alle Bewerbungsunterlagen stehen direkt per PDF bereit.

Ein wahrhaftiges Beispiel an Good Practice.

ÜberAngelica Laurencon

Dr. Angelica Laurencon lebt und arbeitet in Berlin und Clermont-Ferrand als Mentorin und Unternehmensberaterin. Als Dozentin für internationale Masterstudiengänge im Internationalen Management gibt sie ihr Praxiswissen an die zukünftige Managergeneration weiter und begleitet sie als Mentorin für Community Management, Learning Management Systems und Workforce Marketing. Sie ist Gesellschafterin und Mitbegründerin von connect2communicate und Expertin für Wissenstransfer 2.0 und Learning Management im interkulturellen Kontext.

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