Empathisch. Polyvalent. Open! (#VUCA III/05)



Verlinkt sein ist alles

LinkedIn ist Erfinder, Entwickler und Marktführer im Arbeitsmarketing 2.0 und entstand aus der Konvergenz technologischer Potentiale, ökonomischer Fakten und dem steigenden Netzwerkbedürfnis der Millionen Einzelkämpfer auf dem Jobmarkt.

Diese Soziale Plattform kam 2003 mit dem Untertitel For Business auf den Markt und brauchte immerhin zehn Jahre, um von 0 auf 300 Millionen Mitglieder zu kommen. Heute ist es ein virtuelles Raumschiff mit vielen Zwischendocks und so gut konzipiert, dass es wahrscheinlich erst mit dem Big Data Recruiting, dem Web 3.0 Business und der Industrie 4.0 auf Hochtouren kommen wird.

Die gewollte empathische Ambivalenz liegt schon in der Semantik: Die Arbeitswelt wird zur Businesswelt und in dieses Kofferwort passt so ziemlich alles, was mit Geld, Professionalität und Arbeit zu tun hat: Geschäftliches, Entrepreneurship, Managertum, Jobs, Interessenpolitik, Innovation, aber bloß keine Arbeits- und Sozialgesetze oder gar Arbeitskonflikte.

Auch wenn die Arbeit knapp und die Jobsuche für immer mehr Erwerbstätige eine Existenzfrage wird, die Businesswelt der Sozialen Netzwerke ist ein neuer Kontinent der unbegrenzten Möglichkeiten, wo jeder seine Chance hat, Neuqualifizierung inbegriffen. Versager gibt es hier nicht, auch keinen Junk, sondern nur vital forces mit optimaler manpower.

For Business klingt schön knackig präzis, ist zeitgemäß unverbindlich und bleibt deshalb genauso ambivalent wie der Begriff Social Networking. Aus dieser Empathie entwickelten die Sozialen Netzwerke ihre Marketingstrategie. Allen soll hier das Gefühl der grenzenlosen Freiheit, der entgrenzten Räume, der Vielfalt und Offenheit vermittelt werden.

Auf Facebook sind ja fast alle. LinkedIn interessiert jedoch nur die vital forces. Das sind die 20% der arbeitenden Menschen weltweit: Unternehmer, Manager, Wissensarbeiter mit Expertise und den Kompetenzen 2.1, haufenweise Arbeitsvermittler, Freiberufler, Startups, Hochschulabsolventen und Selbstständige.

Damit aber niemand meint, es sei nur ein elitärer Verein oder ein Businessclub für Manager, steht neben der Offenheit auch das virtuelle peer2peer -Verhältnis. Alle sind herzlich willkommen, solange sie ihre Daten an der Garderobe abgeben und sich oben freimachen.

Die empathische Ambivalenz soll Vertrauen schaffen, wo bisher immer noch großes Misstrauen vorherrscht, denn LinkedIn will von den Mitgliedern auch die beruflichen Daten gratis und im endlosen Loop ( das 12 Punkte Programm! ) bekommen.

Ein smartes Branding mit einem Boss in T-Shirt und Turnschuhen reicht da nicht mehr als Bedenkenkiller. Die Zielgruppen von Business-Netzwerken sind zudem keine egozentrischen Teens, sondern Businessmen und -women, die Prestige und einen erkennbaren Mehrwert wollen und Qualitätsansprüche stellen, wenn sie dafür zahlen sollen.  Nach dem Paretoprinzip wäre eine Plattform mit einer so begrenzten Zielgruppe ein Risiko. Warum ist LinkedIn als Soziales Netzwerk trotzdem erfolgreicher als Facebook?

Weil auf einem professionellen Netzwerk für Arbeitsvermarktung viel mehr aktive Nutzer als auf Facebook ihre beruflichen Daten und Informationen kommunizieren! Durch ihr aktives Mitmachen versprechen sie sich nämlich mehr Businesskontakte, ein besseres Ranking und vielleicht Prestige. Inzwischen ist LinkedIn Liebling der Finanzmärkte und Bestandteil der i-Reputation und des Arbeitsmarketings 2.0 von Millionen Unternehmen, Startups und Freiberuflern geworden.

Als Business 2.0 und Geschäftsmodell wuchs dieses Soziale Netzwerk jedoch jahrelang als kurioses Mauerblümchen im Schatten der Giganten Google und Facebook, weil die multiplen Anwendungen den meisten Nutzern gar nicht klar waren. Dieses Unverständnis erklärt auch die verhältnismäßig geringe Mitgliederzahl im DACH-Raum,

  • wo die Unternehmens- und Geschäftswelt regionale und traditionelle Geschäftskontakte bevorzugt,
  • die Internetpräsenz 2.0 für viele KMU eine Baustelle bleibt,
  • Internet für die Politiker ein Neuland ist,
  • Big Data und Datenschutz sich gegenseitig neutralisieren.

In den USA und den Arbeitsmärkten im Umbruch erweist sich dieses Zusammenströmen vieler gleichzeitiger Entwicklungen in einem neuen Geschäftsmodell als Ausweg aus der Sackgasse für die Millionen Freelancer und Kleinstunternehmen, wobei sich die Grenzen zwischen beiden oft verwischen. Diese Sozialen Netzwerke sind die Business-Lösung just in time der Freelance-Ökonomie.


  • Stay tuned

    Der nächste Auszug folgt demnächst.


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ÜberAngelica Laurencon

Dr. Angelica Laurencon lebt und arbeitet in Berlin und Clermont-Ferrand als Mentorin und Unternehmensberaterin. Als Dozentin für internationale Masterstudiengänge im Internationalen Management gibt sie ihr Praxiswissen an die zukünftige Managergeneration weiter und begleitet sie als Mentorin für Community Management, Learning Management Systems und Workforce Marketing. Sie ist Gesellschafterin und Mitbegründerin von connect2communicate und Expertin für Wissenstransfer 2.0 und Learning Management im interkulturellen Kontext.

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