Die Zeit der Talentpools (#VUCA VI/5)



„Die blühende Masse“

(c) Frits Ahlefeldt - http://hikingartist.com/

(c) Frits Ahlefeldt – http://hikingartist.com/

„..wie plötzlich viele kleine erfinderische und tätige Menschen alles aus dem Nichts schufen und dann nach und nach ihre Kompetenzen vernachlässigten!“ Edmund Phelps

Die „Dritte industrielle Revolution» ist schon fest in den Köpfen der Wissenschaftler und Entwickler, in Nordfrankreich, Italien, Indien und China in der Testphase und wartet in Deutschland draußen vor der Tür.

„Anders als ihre Vorgängerinnen, wird sie nicht mehr durch eine hierarchische Arbeitswelt und die zentralistische Struktur großer Konzerne gekennzeichnet sein, sondern durch dezentrale Beziehungen und horizontale Netze, die mittels Kollaboration miteinander in Verbindung treten,“

wiederholt Jeremy Rifkin immer wieder.

„So werden nicht mehr Arbeitsplätze zerstört, sondern durch Vernetzungen des vorhandenen Wissens neue Energien, neue Produkte und neue Dienstleistungen entwickelt.“

Das klingt für viele Entscheider nach einer positiven Utopie aus der Ideenkiste der Vordenker und Träumer, die sie ebenso wenig überzeugt wie die negativen Prognosen der Klimaforscher. Und so bleiben Jeremy Rifkin, Chris Anderson und Gunter Pauli weiter auf der Wartebank der verpassten Gelegenheiten. Für Europa ist das fatal.

Was ist so revolutionär an ihren positiven Prognosen? Die Dritte Industrielle Revolution, so hoffen ihre Protagonisten, wird Lösungen schaffen, um intelligenter und nachhaltiger mit den natürlichen Ressourcen umzugehen. Nur die Ressourcen-Knappheit kann das Kapital und die Wirtschaft zwingen, die alten Industriemodelle endgültig zu entsorgen, meint auch Al Gore, der 2007 mit dem Friedensnobelpreis für sein Engagement für den Klimaschutz ausgezeichnet wurde. Das Überangebot an Humanressourcen macht den Arbeitsmarkt zum Schlaraffenland.

Die Dritte Revolution könnte die positiven Seiten der Internet Revolution der Masse zugänglicher machen, wie zum Beispiel die dezentrale Projektarbeit, die digitale Vernetzung der Erfinder mit den Herstellern. Wichtig sei es, die global vorhandenen Talente zu verknüpfen, und zwar nicht durch die Grosskonzerne, sondern in kleinen lokalen Mikrostrukturen mit überregionaler oder globaler Vernetzung, so Chris Anderson.

Zwischen Mailand und Florenz arbeiten schon über 2000 dieser kleinen neuen Produktionseinheiten, die das Fachwissen der Handwerker und Erfinder vorort dank des digitalen Know-hows mit den Prosumern vernetzen, verarbeiten und vermarkten, kostensparend, energiesparend und ressourcensparend.

Das sind aber weder Autos noch Waffen aus Bayern und schon gar keine Chemieprodukte, sondern Qualitätsprodukte, die die billigen Konsumprodukte ersetzen sollen, nach dem Motto: Weniger ist mehr.

Auch die Frugal Innovation, wie sie von den indischen Entwicklern und Erfindern jenseits der Grosskonzerne vorangetrieben wird, verspricht konkrete Lösungen, bedarf jedoch nur moderater Fördermittel und ist für die Mehrheit der 9 Milliarden Menschen 2020 erschwinglich. Der Erfinder braucht kein Maschinenbauer mehr zu sein, denn die Software gibt ihm die Proportionen in 3D und er kann sie sofort umsetzen.

Viele der künftigen Produkte werden jedoch so hochentwickelt und anspruchsvoll sein, dass die Produktentwickler und Produktdesigner sie den Kollegen in der Herstellung erklären und beide in Interaktion mit den Kunden bleiben müssen.

An dieser Schnittstelle wird das künftige Workforce Marketing und das Crowdworking der Talentpools seinen Platz haben.

Die Sozialen Plattformen für Business haben schon die Strukturen dafür geschaffen, nicht nur für die Vernetzbarkeit der Talentpools, sondern vor allem für die Erstellung globaler Konvergenzen.


  • Stay tuned

    Der nächste Auszug folgt demnächst.


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ÜberAngelica Laurencon

Dr. Angelica Laurencon lebt und arbeitet in Berlin und Clermont-Ferrand als Mentorin und Unternehmensberaterin. Als Dozentin für internationale Masterstudiengänge im Internationalen Management gibt sie ihr Praxiswissen an die zukünftige Managergeneration weiter und begleitet sie als Mentorin für Community Management, Learning Management Systems und Workforce Marketing. Sie ist Gesellschafterin und Mitbegründerin von connect2communicate und Expertin für Wissenstransfer 2.0 und Learning Management im interkulturellen Kontext.

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