Die Massen werden durch zahllose Kanäle mit Bildungsgütern beliefert. Diese helfen als neutralisierte, versteinerte, die bei der Stange zu halten, für die nichts zu hoch und teuer sei. Das gelingt, indem die Gehalte von Bildung, über den Marktmechanismus, dem Bewusstsein derer angepasst werden, die vom Bildungsprivileg ausgesperrt waren und die zu verändern erst Bildung wäre […] Die sich selbst zur Norm, zur Qualifikation gewordene, kontrollierbare Bildung ist als solche so wenig mehr eine wie die zum Geschwätz des Verkäufers degenerierte Allgemeinbildung […] Halbbildung ist der vom Fetischcharakter der Ware ergriffene Geist […] Um überhaupt noch den Anforderungen zu genügen, welche die Gesellschaft an die Menschen richtet, reduziert Bildung sich auf die Kennmarke gesellschaftlicher Immanenz und Integriertheit und wird unverhohlen sich selber ein Tauschbares, Verwertbares.

Der gute, alte Adorno – in all seiner Arroganz. Zeitlos vorausschauend beschreibt er sehr gut die heutige Dominanz der mainstreamigen Bildungswelt hin zum digitalen Massenmarkt zwecks optimierter Ausleseprozesse, um die Maschinerie der alten bürgerlichen Welt aufrechtzuerhalten – unter dem Vorwand der Bildungskultur. Auch in gewisser Weise eine “Dialektik der Aufklärung” …. 😉

(Adorno, Th.: Theorie der Halbbildung, 1959, zit. n. Behrmann, Günter C.: Gründerjahre der Bildungssoziologie, IN: Soziologie, 42. Jg., Heft 2, 2013, S. 177f.)

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