Die Lösungsfinder (#VUCA III/07)



Augmented Workflow 2.0

Was hat diese Ideenkonfluenz aus Stanford Ende der 90er Jahre also geschaffen?

  • Auf der ersten Ebene ein Netzwerk, das die potentiellen Arbeitgeber und Arbeitnehmer auffängt, ihre Daten vernetzt und im JYMBII Messaging (Jobs you may be interested in) direkte Jobempfehlungen auf die Homepage der Jobsuchenden stellt.
  • Auf der zweiten Ebene eine virale Jobbörse, wo Headhunter, HR-Agenturen oder Unternehmen schnell dezentrale und projektbezogene Teams zusammenstellen, Fachkräfte anwerben und potentielle Experten näher beobachten können.
  • Darüber schwebt die Metaebene im virtuellen Raum der Big Data der Businesswelt, wo lokale Phänomene mit globalen Trends vernetzt und aus Mikrostrukturen Informationen für Makrostrukturen herausgefiltert werden.

Dieses Arbeitsmarketing 2.0-Modell wurde eines der erfolgreichsten Geschäftsmodelle der entmaterialisierten Webökonomie. Es ist für KMU, Solounternehmer und für Manager jeder Art ein Beispiel für Design Thinking und die Durchsetzung der Idee in ein einträgliches Geschäftsmodell mit vielen Erweiterungspotentialen. Dafür wurde einer der vier Mitgründer, Reid Hoffman, 2011 mit dem Preis Entrepreneur des Jahres 2011 ausgezeichnet.

Was machte sie so erfolgreich? Sie haben nur Ideen und die schon vorhandenen technologischen Möglichkeiten weitergedacht und sie auf Bereiche ausgeweitet, in die diese Technologien noch nicht vorgedrungen waren. In der Jobvermarktung gab es noch keine digitalen Mitstreiter und somit auch einen geringeren Konkurrenzdruck. In den 90er Jahren konzentrierten sich die Thinks Tanks in Silicon Valley auf andere Geschäftsmodelle wie zum Beispiel Online-Games, die viel lukrativer schienen.

Es war an sich ein Risiko, aber auch ein Beispiel dafür, wie man in der entmaterialisierten Ökonomie Bedürfnisse schafft und gleichzeitig dafür die Lösungen zukunftsorientiert und unendlich erweiterbar entwickelt. Somit entstand das Portal für eine überregionale Vermarktung der Arbeit mit vielen neuen Dienstleistungen 2.0, und zwar für alle potentiellen Teilnehmer im Arbeitsmarketing 2.0.

Dieses Novum schlug nicht wie eine Bombe ein, sondern begleitet Schritt für Schritt die klammheimliche Revolution auf dem globalen Arbeitsmarkt. Inzwischen gibt es viele Kopisten. Das Geschäftsmodell passt zudem genau in die Business-Welt der VUCA-Zeit und kann außerdem die neuen geopolitischen und technologischen Fakten zeitnah mit einarbeiten.

In der Webökonomie kann so die Arbeit kostengünstig zu den Menschen kommen, sofern das Internet mit von der Partie ist und die Menschen digital fit sind und vernetzt denken. Das entspricht genau dem Profil jener Wissensarbeiter, die die Webökonomie und die Wissensgesellschaft 21 braucht.

Für Jeremy Rikfin sind die Wissensarbeiter und die Manager die Überlebenden der digitalen Revolution. Dazu gehören auch die Millionen gut ausgebildeten Arbeitskräfte aus den Schwellenländern, die den globalen Arbeitsmart bereichern: 600 Millionen zusätzliche Millenials mit hohem ökonomischen Mehrwert strömen auf den globalen Arbeitsmarkt 2020, wo zwar die alten Gesetze von Angebot und Nachfrage weiter herrschen, doch lokale Engpässe wie in Deutschland oder Brasilien nur durch diese entgrenzten Online-Plattformen überwunden werden können.

Nicht alle Unternehmen können sich nämlich eine Antenne in Kairo, Tunis oder Kiew leisten, aber sicher eine Profilseite auf LinkedIn, BranchOut oder XING. Der chronische Facharbeitermangel erleichtert es so den hiesigen Unternehmen kostengünstige Wissensarbeiter aus den vielen Krisengebieten zu holen, und zwar auf die smarte Weise, nämlich innovativ, intelligent und individuell im proaktiven Arbeitsmarketing 2.0.


  • Stay tuned

    Der nächste Auszug folgt demnächst.


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ÜberAngelica Laurencon

Dr. Angelica Laurencon lebt und arbeitet in Berlin und Clermont-Ferrand als Mentorin und Unternehmensberaterin. Als Dozentin für internationale Masterstudiengänge im Internationalen Management gibt sie ihr Praxiswissen an die zukünftige Managergeneration weiter und begleitet sie als Mentorin für Community Management, Learning Management Systems und Workforce Marketing. Sie ist Gesellschafterin und Mitbegründerin von connect2communicate und Expertin für Wissenstransfer 2.0 und Learning Management im interkulturellen Kontext.

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