Die entgrenzte Arbeit (#VUCA V/6)



„Das europäische Sozialmodell ist tot!”

(C) Frits Ahlefeldt: MAN-EATS-MAN-EATS-MAN-COLOR http://hikingartist.com/2011/06/23/man-eating-man-illustration/man-eats-man-eats-man-color/

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Das neue Workforce Marketing wie es LinkedIn als innovative Business-Lösung anbietet, stellt neben den vielen komplexen und zwiespältigen Herausforderungen an die Mitarbeiter nicht mehr die Gretchenfrage:

Wie hältst Du es mit dem Mitarbeiterstatus?

Permanenter oder temporärer Mitarbeiter? Experte und Multitasker? Privat- oder Arbeitsleben? Arbeitszeit und Freizeit? 24/7 oder geregelte Arbeitszeiten? Kurzfristig oder mittelfristig?

Die traditionellen Rahmenbedingungen eines Arbeitsverhältnisses wie Arbeitszeiten, Sicherheit und Versicherung stehen in den Sozialen Netzwerken für Business nicht zur Debatte.

Ganz zu schweigen von irgendwelchen Vergütungen nach Tarif oder Mindestlöhnen.

In der VUCA-Welt der Arbeitsvermarktung sind dies Überbleibsel des 19. und 20. Jahrhunderts, die nur noch in den Köpfen vieler renitenter Zeitgenossen in Europa stecken.

Letztere fühlen sich vielleicht nicht von dem Fazit 2012 des Chefs der Europäischen Zentralbank Mario Draghi betroffen:

«Das europäische Sozialmodell ist tot,“

meinte nämlich der EZB-Chef im Februar 2012 in einem Wall Street Journal Interview.

Bislang hat ihm noch kein europäischer Politiker widersprochen. Wie sollten sie auch!

Doch wenn der europäische Sozialstaat dahingegangen ist, so ist die Verknüpfung von Arbeit und Sozialstaat ebenfalls tot. Beide bildeten bislang eine Einheit. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales ist dafür emblematisch, doch an sich schon längt antiquiert.

Zum europäischen Sozialmodell gehören das Arbeitsrecht und unzählige unterschiedliche Sozialgesetze der EU-Länder. Arbeitsrechte und Sozialgesetze sind an einen geografischen Kontext gebunden, national, europäisch oder international.

„Das Arbeitsrecht unterliegt wie kein zweites Rechtsgebiet einem stetigen Wandel. Ständige Gesetzesänderungen und internationale Bezüge, etwa bei der Vertretung weltweit tätiger Unternehmen, erfordern Flexibilität und Kreativität.“ (Staufenbiel.de)

Das Arbeitsrecht wird also künftig den Bedürfnissen der Unternehmen angepasst. Das wissen die Zeitarbeiter auf den Berliner Großbaustellen ebenso gut wie die agilen Projektmanager unterwegs für deutsche Firmen irgendwo in Afrika oder in Kasachstan.

Im Vordergrund der VUCA-Arbeit stehen für alle Unternehmen die schon bekannten Business-Prioritäten:

  • Aus der globalen Daten- und Informationsflut neue Produktideen generieren.
  • Die Ideen schnell umsetzen, sie auf den Markt bringen.
  • Die damit verbundenen Prozesse optimieren.
  • Das Kerngeschäft und die Kernaktivität stärken.
  • Zulieferketten fragmentieren.
  • Alle unproduktiven Betriebskosten reduzieren.
  • Weiterbildung, betriebsinterne R&D streichen und dafür innovative Startups und Freiberufler als Partner oder in Clustern mit ins Boot holen, die sogenannte just in time workforce.

Wie organisiert diese „just in time workforce“ aber ihr Leben, ihre Arbeit, ihren Marktwert?

Sie muss die neuen Trends als early adopters schon vorwegnehmen, um zeitgerecht wertvoll zu sein. Wachsamkeit, intuitive Wahrnehmung der Veränderungen wird zu einer Schlüsselkompetenz.

Übrigens: VUCA heisst in der Sprache der Zulus: „Wach auf!“


  • Stay tuned

    Der nächste Auszug folgt demnächst.


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ÜberAngelica Laurencon

Dr. Angelica Laurencon lebt und arbeitet in Berlin und Clermont-Ferrand als Mentorin und Unternehmensberaterin. Als Dozentin
für internationale Masterstudiengänge im Internationalen Management gibt sie ihr Praxiswissen an die zukünftige Managergeneration weiter und begleitet sie als Mentorin für Community Management, Learning Management Systems und Workforce Marketing.

Sie ist Gesellschafterin und Mitbegründerin von connect2communicate und Expertin für Wissenstransfer 2.0 und Learning Management im interkulturellen Kontext.

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