Die Bedeutung der Arbeitsumgebung für den digitalen Wandel

In Schweden zeichnet sich ein neuer Trend ab: Hoffice nennt sich dieser. Hier wird das Homeoffice zu einem Coworking-Space umfunktioniert, um die eigene Produktivität zu erhöhen.

Leute aus der Nachbarschaft kommen zusammen, um in strukturierter Form hochkonzentriert zu arbeiten. In stillen 45-Minuten-Einheiten fokussieren sie auf ihre Aufgaben – dann klingelt ein Alarm und man macht sich für 15 Minuten locker.

Was wie ein Schul-Rhythmus klingt, resultiert offensichtlich aus Forschungen, wonach die ideale Zeitspanne zum konzentrierten Arbeiten 40 Minuten beträgt.

StartUp-Idee

Da man diesen Rhythmus alleine kaum über einen längeren Zeitraum beibehalten würde, ist es nur logisch, dass sich ein Startup ein Konzept überlegt und ein Regelwerk entwickelt hat, das nunmehr weltweit umgesetzt wird. Weil ihnen die Leute die Bude einrannten, im wahrsten Sinne des Wortes.

In dieser hier vorgestellten Variante ist ein wesentliches Merkmal dieses Konzeptes die kostenfreie Nutzung für die Coworker – es klingt wie wahrhaft gelebte Sharing Economy.

Gleichzeitig hat sich in den USA (natürlich, werden jetzt einige denken) eine kommerziellere Variante bereits herausgebildet: SpareChair will das AirBnB der Büroräume werden. Aber darauf gehe ich jetzt nicht ein …

Vorteile von Coworking-Umgebungen

Kommen wir vielmehr zurück auf das Hoffice: Gerade Kleinunternehmen, die in kleinen Bürosilos sitzen, könnte dieser Trend sehr entgegen kommen. Es gibt Studien, wonach die Produktivität von Wissensarbeiter/innen deutlich steigt im Kontext von Coworking-Umgebungen.

  • 75% berichten von einem Ansteigen der Produktivität, seitdem sie coworken
  • 80% konnten ihr geschäftliches Netzwerk erweitern
  • 92% haben ihre sozialen Zirkel erweitert
  • 86% fühlten sich nicht mehr ganz so isoliert zu sein
  • 83% berichteten, dass sie anderen in ihrem Coworking-Umgebung trauten
  • 72% erwarten Einkommensgewinne

In der Harvard Business Review vom Oktober 2014 fasst man mit Blick auf die Arbeitszufriedenheit im digitalen Zeitalter und die persönliche Weiterentwicklung zusammen:

“The growth of coworking and surveys of coworkers demonstrate that given the choice, people will choose workspaces that support their digital style while giving them access to new knowledge, exposing them to different kinds of expertise, and accelerating their learning. Coworking’s success has helped some teams “graduate” out of their coworking spaces. Although the model clearly provides the exploration that independent workers and very small groups need, when teams reach a critical size, usually around 10 members, they need to up their engagement with one another. Private office space and conference rooms become necessary parts of their workday.”

Kreative Plätze

Es braucht offensichtlich dieser Kollisionsräume, um kreative Ideen zu entwickeln, wie Tony Hsieh von Zappos.com immer wieder betont. Man muss sich zufällig über den Weg laufen, um Neues entstehen zu lassen. Das passt dann wiederum prima zu der Theorie der Creation Places, worüber ich vor einigen Jahren schon etwas schrieb. (Wen’s interessiert, hier entlang, bittschön.)

Tony Hsieh hat seine Zappos-Erfahrung dann konsequenter Weise in sein Downtown Project in Las Vegas einfliessen lassen. Dieses Projekt fasziniert mich schon sehr lange, da dort Stadt als Coworking-Raum gedacht wird. (Wen dieses Thema interessiert: Hier eine kritische Bestandsaufnahme zum Status Quo.)

Was können wir hieraus für kleine Unternehmen lernen, die den notwendigen digitalen Wandel mitgehen wollen?

Lessons Learned für kleine Unternehmen

In vielen Städten oder Metropol-Regionen existieren heute Coworking-Spaces, die man stunden-, tages-, wochen- oder monatsweise flexibel nutzen kann.

Da Coworking-Spaces eine hohe Affinität zum kollaborativen Arbeiten im Netz mitbringen, könnte man hier in einem selbst gewählten Takt immer wieder digitales “Profumo” einatmen.

Dieses zwangloses Miterleben lässt sich als EIN wesentlicher Baustein einer modernen Weiterbildungsstrategie gerade für Kleinunternehmen denken. Dort geschieht eben informelles Lernen “by the way” – und nicht so zwanghaft, wie in den 20 populären Mythen zu zeitgemäßer Weiterbildung.

In diesem Sinne: Be flexible …


Auszug aus The NeWoS vom 3. März 2015, unserer ununi.TV Rundschau (du kannst sie hier abonnieren)

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ÜberAnja C. Wagner

thinker, networker, human | .edu .ux .politics | co-founder of @frolleinflow & initiatorin @ununitv | weitere infos hier: http://acwagner.info

Ein Kommentar zu Die Bedeutung der Arbeitsumgebung für den digitalen Wandel

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