Dein Unternehmen der Zukunft (KfA #07)

Angesichts der herauf ziehenden VUCA-Arbeitswelt, befrage ich Angelica Laurençon, welchen Einfluss die Transformationen auf die typischen Fragen eines Unternehmers haben. 


Die siebte und damit letzte Frage eines Unternehmers lautet:

Wie stärken Sie permanent ihre unternehmerische Fähigkeiten, damit sie die anderen 6 Aufgaben immer besser wahrnehmen können?

Angelica, inwiefern wird diese Frage von der VUCA-Arbeitswelt betroffen sein?

Hier Angelicas Antwort:

Angelica Laurençon

Dr. Angelica Laurençon

Das Zeitalter der Kleinstunternehmer

Schlanke, direkte, schnelle und smarte Unternehmen sind die Unternehmensmodelle 21, das somit de facto zum Zeitalter der Kleinst- und Kleinunternehmen wird. Darum heissen die Fabriken der Zukunft Smart Factories und Smarter Working ist eine Steigerung der Produktivität bei gleichzeitiger Verbesserung der Arbeitsbedingungen.

Die digitale Revolution und ihre Kinder haben auch für die KMU 21 ganz neue Wettbewerbsvorteile geschaffen. Kleine, schlanke und smarte Unternehmen können schnell innovative Technologien und neue Arbeitsmodelle umsetzen und sie bedarfsgerecht anpassen:

  • Nur kleine Strukturen sind flexibel und agil genug, um die drei Ebenen der Netzwerk-Dynamiken synchron in ihre Kernaktivitäten einzubinden;
  • für kleine Strukturen sind Open Source, Open Innovation, User Generated Content, das Business of Kindness und dezentrales Arbeiten kostensparende Business-Lösungen, vorausgesetzt sie verfügen über die digitalen Kompetenzen,

wobei wir direkt in der europäischen Schmerzzone angekommen sind, weil sie für die Betroffenen ziemlich unerwartet kommen.

3 Ebenen der Netzwerk-Dynamik

1. Die angewandte digitale Kompetenz des Kleinunternehmers 21

Angewandte digitale Kompetenz im KMU 21 ist der bedarfsorientierte Einsatz aller technologischen Errungenschaften, wobei einerseits die Kosten und die Strukturen überschaubar bleiben: Der Unternehmer oder Geschäftsmann erstellt gemeinsam mit seinem Team das digitale Arbeitsumfeld und passt es den VUCA-Märkten an.

Wozu braucht ein Unternehmer 21 neben den üblichen Kernkompetenzen auch eine digitale Kompetenz?

  • Weil er sich gerade durch seine digitale Kompetenz von den alten Auslaufmodellen unterscheidet.
  • Weil er die Zukunftstrends nicht wie viele andere verpassen will.
  • Weil Kleinunternehmer anders als die Manager der grösseren Unternehmen die Architekten ihres Unternehmens sind und ein Architekt auch die Qualität der Bausteine und des Gerüsts kennen sollte.
  • Weil  heute alle Unternehmensbereiche direkt und indirekt digital gesteuert und untereinander vernetzt sind.

Digitaler Illetrismus führt zu “unternehmerischer Impotenz”. Zweifler und Zögerliche dürfen inzwischen hier weiterlesen.

2.  Die andere Produktivität

Smart statt hart arbeiten

KMU 21 müssen aufgrund des steigenden Wettbewerbsdrucks innovative Arbeitsmodelle erfinden, bei denen sie

  • qualifizierte Mitarbeiter kostengünstig einbinden,
  • effizienter als die Grossunternehmen arbeiten und
  • dabei die steigenden Produktivitäts- und Qualitätsanforderungen erfüllen.

Im Wettbewerb um qualifizierte Mitarbeiter können sie jedoch nur mit immateriellen Anreizen punkten. Das sind heute die alternativen Arbeitsmodelle. Smarter Working heisst intelligenter arbeiten, um Burn-Out, Stress, unnötige Kosten und Verluste zu vermeiden.

Mit kollaborativen und dezentralen Arbeitsmodellen senken die KMU einerseits die Betriebskosten und gleichen andererseits die Korrosion des Produktivitätszwangs aus.

Dezentrales Zusammenarbeiten erspart den Mitarbeitern Anfahrtszeiten- und Fahrtkosten und dem Kleinunternehmer die Heizungskosten.

Mobiles, flexibles und agiles Arbeiten kennt keine Stechuhr, sondern nur einen gemeinsamen Doodle, eine kollektive Arbeitsoberfläche – und digitale Kompetenzen allerseits. Die kann der Unternehmer nur richtig einschätzen, wenn er sie selber hat. So kann er auch ein klares Netzwerk-Design und seine Funktionalitäten begleiten. Dazu mehr in Punkt 3.

Das  QM in progress...

Zur anderen Produktivität gehört auch die permanente Förderung der Mitarbeiter und deren Expertise. Jahrzehntelang zwängten sich Unternehmen in die überholten QM-Raster. Die ISO 9000 Zertifizierung gilt auch heute noch als die Summa Cum Laude der Unternehmenskultur. Die Qualität eines Unternehmens 21 misst sich jedoch nicht mehr im EFQM oder regionalen QM-Pokalspielen. Sie entscheidet sich an der Qualität seiner Mitarbeiter und an ihrem konstanten Innovationspotential. Beide entwickeln sich nur in der Dynamik des permanenten Weiterlernens und hier ist der Unternehmer der Bauherr. Die aktive Förderung  seines Teams ist ein fester Bestandteil des Kompetenzrasters eines Kleinunternehmers 21.

Nur wer sein Team fortwährend auf dem neusten Stand hält, der ist in der Lage, auf neue Herausforderungen vorausschauend zu reagieren. So verhindert er außerdem, dass die Fachkräfte von heute in einigen Jahren schon zum alten Eisen zählen. Das wäre ein neues Modul im Social Business.

3.  Die neue Netzwerk-Dynamik

Das digitale Netzwerk im Kopf

Die angewandte Netzwerk-Dynamik steht am Anfang aller Business 2.0-Erfolgsmodelle.

Dazu  braucht der Unternehmer 21 eine klare Vorstellung von der Algorithmen-Logik und der Netzwerk-Dynamik, die er begleitet und ständig erweitert. Sie beginnt ganz konkret bei der Effizienz des internen EDV-Netzwerkes. Sie garantiert die Dynamik des Internets.

Die erfolgreichen Unternehmer der digitalen Ökonomie sind keine Mathematiker, sondern Weiterdenker.

Gerade deshalb steht die digitale Kompetenz des Kleinunternehmers ganz oben auf der Liste der unternehmerischen Fähigkeiten, noch vor dem 8-Punkte Raster, das immer noch zum Standardprogramm der unternehmerischen Fähigkeiten gehört.

Die Kapazität und das intelligente Design des digitalen Netzwerks entscheiden auch über

  • die Effizienz der Zusammenarbeit im Team,
  • die Nachhaltigkeit der neuen Arbeitsmodelle,
  • ein synchrones Projektmanagement und über
  • die Produktivität.

KMUs können so kostengünstig die MSP-Dynamik in ihre Kernaktivitäten einbinden und dabei gleichzeitig die verschiedenen Verknüpfungspunkte simultan aktivieren.

Über den intelligenten Einsatz von Cloud-Computing, Big Data und lernende Maschinen für KMU steht schon genug im Netz. Die mangelnde digitale Kompetenz der Kleinunternehmer 21 ist das Geschäftsmodell der grossen Anbieter.

Die sozialen Technologien entwickeln

Mit einem intelligenten Netzwerk-Design als Rückgrat des KMUs greift auch die zweite Phase des Netzwerkens, nämlich das virtuelle Social Business Networking und dessen nahtlose Verbindung zu den Social Business Lösungen, ob sie als Fertiggerichte aus dem Hause Microsoft, IBM oder besser massgeschneidert und Open Source  aus der GitHub Werkstatt stammen.

Vielleicht erklärt das lückenhafte Netzwerk-Verständnis des deutschen Mittelstands auch dessen digitale Rückständigkeit. Die angewandten Sozialen Technologien (Social Media, UGC, CRM 2.0, Open Innovation und Workforce Marketing) unterstützen ausserdem die zweite Netzwerk-Ebene, auf denen Kleinunternehmen kostengünstig fast alle Kernbereiche abdecken können.

Wissen macht frei!

Der Unternehmer 21 hat neben den unbegrenzten digitalen Netzwerken und dem Social Business Networking noch eine dritte Netzwerk-Freikarte:

Noch nie zuvor war es nämlich so einfach, sich lokal und überregional mit Partnern, Verbündeten oder institutionellen Trägern zu vernetzen, neue Formen der Zusammenarbeit auf Unternehmer-Ebene zu suchen und Auswege aus den feinmaschigen Zulieferketten der Konzerne zu finden. Im Schleppnetz eines Großunternehmens ist ein Kleinstunternehmen nur Beifang. In einem offenen Unternehmens-Netzwerk kann sich das Unternehmen proaktiv entwickeln.

Kleinuntenehmen können in Cluster-Strukturen Informationen und Ressourcen teilen, direkt mit institutionellen Forschungseinheiten zusammenarbeiten und sich bei Bedarf auch aus der Abhängigkeitsfalle befreien.

Innovative Unternehmens-Verbände entstehen überall. Bislang scheiterten aber alle überregionalen Ansätze an dem unzureichenden Einsatz der neuen digitalen Vernetzungspotentiale.

Die kann der Kleinstunternehmer heute permanent stärken im learning by doing; endlos in Beta ist keine leere Web 2.0 Floskel, sondern das Wesen der Webökonomie und die Grundhaltung des erfolgreichen Kleinunternehmers 21. Wissen ist vielleicht nicht immer Macht, aber stärkt die unternehmerische Freiheit.

ÜberKlaas Kramer

Berater und Coach für Strategie und marktorientierte Unternehmensführung; Inhaber Unternehmergarten Schöneiche bei Berlin: http://www.unternehmergarten-schoeneiche.de/

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