Dein Unternehmen der Zukunft (KfA #06)

Angesichts der herauf ziehenden VUCA-Arbeitswelt, befrage ich Angelica Laurençon, welchen Einfluss die Transformationen auf die typischen Fragen eines Unternehmers haben. 


Die sechste Frage eines Unternehmers lautet:

An wen wollen Sie das Unternehmen eines Tages übergeben (Verkauf, Vererbung, Stiftung) und wie sorgen Sie dafür, dass die Übergabe gelingt?

Angelica, inwiefern wird diese Frage von der VUCA-Arbeitswelt betroffen sein?

Hier Angelicas Antwort:

Angelica Laurençon

Dr. Angelica Laurençon

Die Frage ist heute nicht, wann oder wie das Unternehmen weitergegeben wird, sondern vielmehr, ob es mittelfristig einen Mehrwert generieren kann, der

  • dem Kaufpreis,
  • dem Stiftungsaufwand,
  • den Kompetenzen der Erben,

gerecht wird.

A. Unternehmensverkäufe in VUCA-Zeiten

Man kann nur verkaufen, was einen Wert hat. Was machte bislang den Wert eines Unternehmens aus? Der Gewinn, die SWOT-Analyse des Geschäftsmodells, das immaterielle Kapital wie Patente, Branding, Kunden und zu einem gewissen Punkt auch das Anlagevermögen. Verglichen mit den Aufkäufen der Startups der Webökonomie, sind das eigentlich die Werte von gestern. Nur Startups der digitalen Ökonomie verkauften sich in den letzten Jahren mit hohem Mehrwert, während alte Industrieunternehmen langsam wertlos werden.

Unternehmenskäufe werden also in der VUCA-Ökonomie zu einem extrem hohen Risiko, das sich nur noch finanzstarke Konzerne und Investoren leisten können, finanziell und juristisch. Sie kaufen auf, um ein neues Marktsegment zu decken, einen Konkurrenten auszuschalten und manchmal zocken sie auch, denn sie können es sich leisten. Hier gibt es einen Überblick über die Wertschwankungen an der Handelsbörse für Unternehmen.

Wenn einem Unternehmer das Geld wichtiger ist als das Weiterleben seines Unternehmens, so verkaufe er so schnell wie möglich! Denn viele Unternehmen bieten Dienstleistungen oder Produkte an, die spätestens 2018 entweder von der Industrie 4.0, dem IoT überholt sein werden, egal woher sie kommen. Das Ende der Dienstleistungsgesellschaft betrifft eben nicht nur die Arbeitnehmer in dieser Branche.

Das ändert jedoch nichts an dem wachsenden Angeboten von Unternehmen. Auch ohne die 4.0 Welle werden allein in Deutschland bis 2018 rund 135 000 Unternehmen zur Übernahme anstehen.

B. Stiftung statt Verkauf

Stiftungen sind seit 2000 immer mehr im Gespräch und im Geschäft. Sie betreffen Unternehmen im Familienbesitz, wo entweder die Erbfolge nicht klar oder der Vermögensbestand zu gross ist. Das Interesse von Beratern und Banken, ihrer mittelständischen Klientel Stiftungen als “Lösung für die Ewigkeit” zu empfehlen, ist eindeutig. Viele Banken, allen voran die Deutsche Bank – unterhalten so genannte philantropische Abteilungen.

Warum dieser Stiftungsrausch?

Den wenigen erfolgreichen Beispielen wie Bosch, Bertelsmann oder Possehl steht ein Heer namenloser, verschwundener Unternehmensstiftungen gegenüber. Die Stiftung dämmt vor allem den Geldabfluss durch Erbschaftsteuern ein. Das zeigt das Aldi-Beispiel bestens.

Abgesehen von diesem negativen Vorzeigemodell, ist Steuerersparnis lediglich eine Seite der Medaille. Eine Stiftung ist nur ein Rechtsträger und löst nicht das Nachfolgeproblem. Darum muss im Vorfeld eine zweite Führungsebene auf sicheren Füssen stehen.

Stiftungskandidaten sollten laut Deutscher Stiftungsagentur ein Barvermögen von mindestens 250 000 Euro mitbringen. Somit sind Stiftungen nur Steuersparmodelle für reiche Grossunternehmen im Familienbesitz. Sie können ihr Firmenkapital für die Ewigkeit in Sicherheit bringen und im Falle der gemeinnützigen Stiftungen noch etwas der Gesellschaft zurückgeben.

C. Erben gesucht

Niemand hindert einen Unternehmer daran, es an seine Hinterbliebenen zu vererben. Er kommt dabei jedoch weder am Finanzamt noch an den neuen Erbgesetzen 2012 vorbei, die auch noch im ständigen Veränderungsprozess sind. Ein Blick in die Studie der Universität Bamberg verschafft einen ersten Einblick.

Doch zur Zeit suchen bereits 70.000 Unternehmen in Deutschland einen Nachfolger. Dabei gibt es noch andere Alternativen für Unternehmer ohne Erben oder Käufer.

D. Zukunftsmodelle: Genossenschaften & Bürgeraktiengesellschaften

Genossenschaften gibt es seit dem 19. Jahrhundert und auf der ganzen Welt. In VUCA-Zeiten und der Fragmentierung der Produktionseinheiten sind sie das einzige stabile wirtschaftliche Modell für Menschen, die sich nicht als Angestellte oder Gehaltsempfänger verstehen, sondern unternehmerisch denken und handeln wollen.

Doch Genossenschaften werden in Deutschland immer noch unterschätzt. Sie vertreten in Europa eineinhalb Millionen Mitarbeiter und verfügen über einen Haushalt von circa 50 Milliarden Euro. In einer VUCA-Ökonomie erweisen sie sich in jeder Beziehung als nachhaltigere Alternative für die Übernahme von Unternehmen, besonders in Deutschland, wo schon heute 70.000 Unternehmen nach Nachfolgern suchen. Laut eines Berichts der EU-Kommission werden die Länder der Union aufgrund der ungeklärten Unternehmensnachfolge in den nächsten Jahren ungefähr 150.000 Unternehmen und damit 600.000 Stellen verlieren.

Die genossenschaftliche Idee ist zwar nicht revolutionär. Heute setzen sich jedoch wieder überall Menschen zusammen, die begriffen haben, dass sie jenseits der ausgedienten Arbeitsmodelle des 19. und 20. Jahrhunderts gemeinsam nach Lösungen suchen müssen, denn die Arbeitsplätze der Zukunft werden weder von den staatlichen Institutionen noch in Grossunternehmen entstehen. Mobile Mikro-Strukturen, Lean Management und Serial Entrepreneurship sind die Unternehmensformen des 21. Jahrhunderts.

Der immer engere finanzielle Spielraum für Firmenkäufe machen also die Genossenschaft aktueller denn je. In Genossenschaften finden sie häufig auch den rechtlichen Rahmen für ihre Vorhaben.

Hier gibt es 10 Gründe für eine Genossenschaft und selbst das Oberhaupt der katholischen Kirche, Papst Franziskus sieht in Genossenschaften den künftigen Motor der Gesellschaften des 21. Jahrhunderts. Für die 70.000 Unternehmer auf der Suche nach einer Zukunft für ihre Mitarbeiter wäre das eine Lösung ebenso wie die Bürger-Aktiengesellschaft.

So hat der badische Unternehmer Christian Hiss, der Social Entrepreneur des Jahres 2011, sein Unternehmen in eine Bürger-Aktiengesellschaft verwandelt.

Sein Smarter Social Business Made in Germany-Modell ist nachhaltig und innovativ.

ÜberKlaas Kramer

Berater und Coach für Strategie und marktorientierte Unternehmensführung; Inhaber Unternehmergarten Schöneiche bei Berlin: http://www.unternehmergarten-schoeneiche.de/

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