Dein Unternehmen der Zukunft (KfA #04)

Angesichts der herauf ziehenden VUCA-Arbeitswelt, befrage ich Angelica Laurençon, welchen Einfluss die Transformationen auf die typischen Fragen eines Unternehmers haben. 


Die vierte Frage eines Unternehmers lautet:

Wie finde ich die richtigen Mitarbeiter und wie sorge ich dafür, dass sie
auf die produktivste Weise im Unternehmen arbeiten?

Angelica, inwiefern wird diese Frage von der VUCA-Arbeitswelt betroffen sein?

Hier Angelicas Antwort:

Angelica Laurençon

Dr. Angelica Laurençon

Personalbeschaffung 2015 nimmt es mit drei Realitäten gleichzeitig auf:

1. Die angespannte Lage am Arbeitsmarkt

Wir haben in Deutschland die niedrigste Arbeitslosenrate seit 25 Jahren, einen akuten Fachkräftemangel in den MINT und den Pflegeberufen und daneben Millionen falsch qualifizierte, unterqualifizierte und unqualifizierbare potentielle Erwerbstätige, die meist unfreiwillig in prekären und schlecht bezahlten Jobs arbeiten. Volkswirtschaftlich ist es ein Versagen. Betriebswirtschaftlich ist es eine Zumutung.

2. Die extreme digitale Beschleunigung

Sie bringt in immer kürzen Abständen neue Technologien auf den Markt, die Arbeitsprozesse optimieren. Sie stellen jedoch gleichzeitig an die Menschen, die sie veredeln sollen, immer höhere Anforderungen, und zwar gerade an den beiden systematischen Schwachstellen: am Kopf (MINT) und am Herzen (soziale Empathie)!

So entsteht der steigende Bedarf an Arbeitskräften, für deren Kompetenzen es noch keine Erfahrungswerte und keine verlässliche Ausbildung gibt und nicht mehr geben wird, denn Bildungseinrichtungen sind Dinosaurier und Chefs oft überfordert.

Was macht eigentlich so ein Category Manager, ein mikrobieller Berater, ein Big Data Scientist oder ein Digital Product Manager?

Meist wissen es die Unternehmen selber nicht.

3. Die Jobanalyse

Keine Einstellung ohne Jobbeschreibung lautet immer noch die Regel. Ohne Jobbeschreibung ist nämlich

  • die Auswahl zufällig
  • das On-boarding problematisch,
  • die Vergütung willkürlich,
  • ein kontroverser (Recht)streit schon vorprogrammiert, wenn die Kompetenzen des Mitarbeiters nicht den Erwartungen des Unternehmens entsprechen.

Für neue Jobs fehlen immer verbindliche Vorlagen, denn die Jobs von heute sind nicht die Jobs von morgen.

Darum bedarf es zumindest einer Jobanalyse, die das Unternehmen im Team erstellt. Bei einer Jobanalyse werden die Aufgaben, Verantwortungen, das Wissen, die Kompetenz erfasst, die für den spezifischen Job gebraucht werden.

Wo finden die Unternehmen heute  die aktuellen Informationen zu ihrer Jobanalyse und die passenden Mitarbeiter dazu?

Zunehmend auf den Sozialen Netzwerken für Business. Sie sind Jobcenter, Headhunter, Kleinanzeigen im Heimatblatt, Schwarzes Brett und Vitamin B alles in einem und wurden in weniger als einem Jahrzehnt zum globalen Umschlagplatz des Workforce Marketings 2.0. Mehr dazu hier.

A propos… was bedeutet es heute produktiv zu arbeiten?

Immer schneller, immer mehr im Namen der Produktivität?

Für die neuen Berufe der Wissensgesellschaft 21 gibt es ganz andere Messkriterien:

Ich messe die Produktivität eines Mitarbeiters an der Art und Weise, wie er Dinge erledigt, die getan werden müssen, auch wenn sie ausserhalb seines Arbeitsbereiches liegen. Hauptsache, die Mitarbeiter denken und lernen weiter. Auf der Überholspur oder quer. Das ist das Optimum der Produktivität 2.1 im Pareto-Stil.

ÜberKlaas Kramer

Berater und Coach für Strategie und marktorientierte Unternehmensführung; Inhaber Unternehmergarten Schöneiche bei Berlin: http://www.unternehmergarten-schoeneiche.de/

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