Das gläserne Unternehmen

Die  gläserne Decke werden die Frauen dieser Welt so bald nicht durchdringen.  Sie wird sogar von Tag zu Tag dicker, denn auch in der digitalen Ökonomie und in der Industrie 4.0 duldet man die Frauen bestenfalls als Ausnahmen. Durch eine offene Glastür jedoch dringen plötzlich neue Elemente in die Unternehmen ein, die vielleicht schneller Risse in die gläsernen Decken bringen könnten.

Solange Smarter Working, Arbeiten 4.0 nur als kluge Thesen und Theorien die Unternehmerwelt berieseln, zerrinnen sie an den abgeschliffenen Unternehmensstrukturen.

Die meisten Manager und Unternehmer wollen einfach so weiterarbeiten wie bisher.

Von oben her gibt es keinen Bedarf an Smarter Working oder Arbeit 4.0. Es fehlt den Managern und Unternehmern hierzulande noch an der inneren Überzeugung und Einsicht, dass Arbeiten 4.0 keine schöne Variante, sondern in der Webökonomie und der Wissensgesellschaft des 21. Jahrhunderts einfach alternativlos ist.

Neue Transparenz

(c) connect2communicate

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Glassdoor heisst das neue Bewertungsportal für Unternehmen der Arbeitgeber, das sich seit 2014 Marktanteile auf dem globalen Arbeitsmarkt erobert.

Das Label definiert das Ziel: Absolute Transparenz des Arbeitsalltags in den Unternehmen, das Innere nach aussen kehren und allen sichtbar machen, kurz: aus dem Nähkästchen plaudern !

Die meisten Unternehmen sind darauf gar nicht vorbereitet und den Kleinunternehmen ist noch gar nicht klar, welche Chancen und Risiken das für sie auf im Arbeitsmarketing 2.0 mit sich bringt. Arbeitgeber-Ranking wird zu einem Auswahlverfahren für die Arbeitnehmer.

Das Glassdoor-Prinzip treibt jetzt den fälligen Paradigmenwechsel in der Arbeitswelt aus einer ganz anderen Richtung voran. Die Idee eines Bewertungsportal der Firmen als smarte und soziale Arbeitgeber kommt weder aus der Open SourceOpen Web Bewegung noch von besonders innovativen Gewerkschaften!

Seine Betreiber sind hartgesottene Geschäftsleute der Webökonomie, die als early adopters des Multiple Sided Platform Prinzips und des Business 2.0 schon viel Geld mit Bewertungsportals wie z.B. TripAdvisor verdient haben.

Dass sie damit die ganze Hotelbranche weltweit aufgemischt und ganz neue Verteilerfunktionen entwickelt haben, ist bislang nur den Betroffenen, d.h. den kleinen Hotelbesitzern klar geworden. Dieser Sektor ist jedoch inzwischen ausgereizt.

Darum hat sich Rich Barton, der Erfinder von Glassdoor etwas Neues einfallen lassen. Er vernetzte einfach die beiden schon bestehenden Komponenten der digitalen Revolution,  und zwar die Dynamik des Bewertungsportals mit den komplexen und flüchtigen Bedürfnissen des Arbeitsmarketings 2.0.

Dadurch entsteht eine neue Ebene auf dem entgrenzten Arbeitsmarkt. Hier versorgen sich zwar die Jobbörsen und Headhunter weiterhin. Aber es vollzieht sich auch eine Umkehrung der bisherigen Werte. Die Arbeitnehmer bewerten als Insider die Unternehmen; ihre Bewertung fällt nicht ins Leere, sondern wird zu einem immateriellen Wert für das Unternehmen, im Plus oder Minus.

Die Macht der Fachkräfte

Hochqualifizierte Fachkräfte sind kritisch und selten und so entwickelte sich Glassdoor dank der VUCA-Ökonomie und der digitalen Innovationsschübe zu einem lukrativen Geschäftsmodell im MSP-Verfahren, wo das Unternehmen in seiner Qualität als Arbeitgeber bewertet wird:

Arbeitsbedingungen, Werkverträge, Smarter Working, Chancengleichheit, Transparenz in der Firmenkommunikation, kompetentes und inkompetentes Management entscheiden für das Ranking als bester oder schlechtester Arbeitgeber, lokal und global. Infografiken zeigen dann auch, wo die Kluster der Arbeit 4.0 entstehen.

Den personalintensiven Firmen des Baugewerbes, der Nahrungsmittelindustrie, der Dienstleistungen oder des Handels- und Verkehrs ist so ein Arbeitgeber-Ranking egal. Sie schöpfen weiter im Überfluss  der Arbeitsuchenden aus aller Welt und profitieren von deren Not und Hilflosigkeit.

Doch die Unternehmen der Wissensgesellschaft, die aus den Technologien 4.0 innovative Produkte, Ressourcen und Dienstleistungen entwickeln und vermarkten wollen, brauchen dringend kreative, innovative Köpfe, die das immaterielle Kapital des Unternehmens steigern. Die wiederum sind auf dem globalen Arbeitsmarkt gefragt und die internationalen Konzerne haben einfach die grössere Reichweite.

Chance für KMU

Für die Kleinunternehmen sind die neuen Bewertungsportale jedoch eine Chance, von den Grosskonzernen bei der globalen Treibjagd nach Talenten nicht ganz ins Abseits gedrängt zu werden. Nicht alle haben wie BMW die finanzielle Logistik und das Know how zur Verfügung, um im Recruiting 5.0, d.h. in der Augmented Reality, mit cross-medialen Tools Vorreiter zu sein.

Die Grosskonzerne belegen zwar weiterhin die Logen– und Parkettplätze im herkömmlichen Ranking, bekommen aber Konkurrenz von kleineren Unternehmen, die ihr Firmenranking und Image als wunderbarer Arbeitsplatz mit den viralen Effekten des Workforce Marketings optimieren.

Arm aber kreativ! Das wäre doch auch ein Motto für die Klein-Unternehmen im 21. Jahrhundert.

ÜberAngelica Laurencon

Dr. Angelica Laurencon lebt und arbeitet in Berlin und Clermont-Ferrand als Mentorin und Unternehmensberaterin. Als Dozentin für internationale Masterstudiengänge im Internationalen Management gibt sie ihr Praxiswissen an die zukünftige Managergeneration weiter und begleitet sie als Mentorin für Community Management, Learning Management Systems und Workforce Marketing. Sie ist Gesellschafterin und Mitbegründerin von connect2communicate und Expertin für Wissenstransfer 2.0 und Learning Management im interkulturellen Kontext.

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