Bedarfserregend & bedarfsgerecht #VUCA (III/03)



In Motion

Die Webökonomie lebt im und vom permanenten Erneuerungsprozess. Für ihre schnellen Zyklen braucht sie nicht nur kreative und innovative Erfinder und agile Investoren mit viel Venture Capital, sie braucht vor allem Menschen, die digital fit, viral aktiv, lokal und global denken und selbstbestimmt weiterlernen können, und zwar im Tempo der Veränderungsprozesse: Makers & Doers, Entwickler, Erfinder, Unternehmer, grassroot innovators.

Das ist auch das Fazit der Palo-Alto-Studie, The Reworking of „Work“:

„ Die Webökonomie kann nur noch mit Menschen arbeiten, die sich ständig neu positionieren.“

Diese Erkenntnis gehört mit zum virtuellen und informellen Ausleseverfahren der Webökonomie. Unterschwellig ist es schon auf allen Sozialen Plattformen für Business in Kraft. Dort treffen sich ja die Profis, wie es so schön in der Werbung heisst.

Im Englischen und Französischen werden diese digital workers als vital forces bzw. forces vitales bezeichnet. In Deutschland spricht man lieber von Leistungsträgern, was nicht unbedingt dasselbe bedeutet, auf einer ganz anderen Ebene liegt und einen anderen Blickwinkel bedingt.

Zu diesen „Leistungsträgern“ gehören etwa 20% der weltweit 4,5 Milliarden Erwerbstätigen 2020. Sie sind gut ausgebildet, agil im Kopf, mobil im Raum, flexibel in der Zeit und sind deshalb die Zielgruppe der Sozialen Business-Netzwerke. Die Webökonomie verändert besonders ihre Arbeitsstrukturen, indem sie

  • dezentrales und simultanes Zusammenarbeiten im virtuellen Raum mit glokaler Sichtbarkeit und Erreichbarkeit ermöglicht und voraussetzt;
  • selber den rapiden Innovationsschüben der Internet-Technologien unterliegt;
  • das Internet der Dinge beschleunigt. Big Data und HFT vernetzen Daten, Informationen und Wissen besser, schneller und sicherer als die Menschen und sind viel effizienter als die Human Intelligence Task Force.

Viele Millenials und die Nachgeborenen mit den Kompetenzen 2.1 betrachten das als ihre große Chance.

Überall, wo die Webökonomie und die Globalisierung jungen, gut ausgebildeten Menschen die Möglichkeit bietet, vor Ort Veränderungsprozesse zu beschleunigen und sich selber damit in den globalen Workflow zu bringen, fangen die Sozialen Netzwerke diese Potentiale auf. Ob sie vor Ort wirklich etwas verändern können, hängt dann von den lokalen Machtverhältnissen und der Interessenpolitik ab. Das ist den Social Media aber egal. Politische oder soziale Anliegen sind für sie eher geschäftsschädigend.

Wichtig für die Plattform-Betreiber wie LinkedIn oder BranchOut ist, direkt auf diese vital forces zugreifen zu können und sie in ihr Angebot aufzunehmen. Damit können sie ihre glokale Reichweite vergrößern. Je größer ihr Angebot, desto mehr zahlungskräftige Firmenkunden kommen nämlich auch auf die Plattform. Diesen Firmenkunden werden dann viele zusätzliche Dienstleistungen im Arbeitsmarketing 2.0 angeboten, wie zum Beispiel Suchmaschinenoptimierung, Big-Data-Analyse, das Workforce Marketing, E-Learning und noch viel mehr.

Die Großkonzerne brauchen das alles nicht. Sie haben einerseits ihre eigenen Kompetenzcluster weltweit verteilt und sind schon länger auf den flüchtigen, unsicheren und komplexen Märkten zuhause. Dort können sie sich direkt die notwendigen Humanressourcen marktgerecht beschaffen und im Workforce Marketing lokal und global einsetzen. Großkonzerne sind deshalb auch nicht die relevante Zielgruppe der Business-Netzwerke. Sie brauchen Social Media nur für ihr Marketing, ihre PR und im HR-Bereich. Doch die kleinen und mittleren Unternehmer, die als Zulieferer für die Großunternehmen und als direkte Arbeitgeber von ca. 70-80% der Erwerbstätigen auf den globalen Marktplätzen unterwegs sind, müssen sich immer öfter und schneller „frische Humanressourcen beschaffen“.

Proaktives Arbeitsmarketing 2.0 wird für sie also zur Priorität. Sie benötigen es für ihr eigenes Firmenbranding und das Management von Kundenbeziehungen, als CRM 2.0 bezeichnet. Hier können sie auch das Workforce Marketing mit einsetzen, vor allem wenn sie neu auf dem Markt sind und weder Branding noch Online-Reputation haben.

Die immer kürzeren Veränderungsschübe der VUCA-Welt und der digitalen Innovationen sind somit für die kleinen und mittleren Unternehmen eine doppelte Herausforderung: Sie dürfen den Anschluss an die technologischen Entwicklungen nicht verpassen und brauchen dafür gleichzeitig eine ganz neue Personalpolitik. Darauf setzen LinkedIn, XING und Viadeo. Da dieser Kundenstamm exponentiell wachsen und zahlen wird, ist auch ihr Geschäftsmodell nachhaltig.


  • Stay tuned

    Der nächste Auszug folgt demnächst.


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ÜberAngelica Laurencon

Dr. Angelica Laurencon lebt und arbeitet in Berlin und Clermont-Ferrand als Mentorin und Unternehmensberaterin. Als Dozentin
für internationale Masterstudiengänge im Internationalen Management gibt sie ihr Praxiswissen an die zukünftige Managergeneration weiter und begleitet sie als Mentorin für Community Management, Learning Management Systems und Workforce Marketing.

Sie ist Gesellschafterin und Mitbegründerin von connect2communicate und Expertin für Wissenstransfer 2.0 und Learning Management im interkulturellen Kontext.

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