Arbeitsnomaden To Go #VUCA (II/04)



Der flexible Jobber

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Die Zukunft der Arbeit gehört den Arbeitsnomaden, sofern das Wort Zukunft für sie noch Sinn macht, denn Arbeitsnomaden leben nur noch in kleinen Zeitfenstern. Dieser Arbeitsnomadismus ist global und grenzenlos wie das flexible Kapital, dessen Komparsen die unbegrenzte Bewegungsfreiheit und Gleichzeitigkeit sind.

Wie sehr das flexible Kapital den Arbeitsmarkt, das Leben der Einzelnen und der Gemeinschaft binnen einer Generation verändert hat, wurde von Richard Sennett anhand von Fallstudien in den USA der 90er Jahre beschrieben: The Corrosion of Character. The Personal Consequences of Work in the New Capitalism.

Die Kapitalmärkte brauchen die unbegrenzte Freiheit. Dank der EU-Deregulierung des EU Arbeitsmarkts sollten auch die Menschen mehr Handlungsfreiheit und viel mehr Spielräume bekommen, so die EU-Kommissare 2004. Offiziell wollten sie liberalisieren und damit den Austausch von Waren und Dienstleistungen von den nationalen Zwängen befreien. Dabei entstand die Arena eines transnationalen Konkurrenzkampfes, wo nicht nur Produkte, Unternehmen, sondern auch Menschen miteinander auf dem Arbeitsmarkt konkurrieren.

Es ist ein klarer Wettbewerbsvorteil für die Unternehmen in Billiglohnbereichen – in der Agrar- und Nahrungsmittelindustrie, im Dienstleistungs- und im Baugewerbe. Sie können sich billige Arbeitskräfte aus aller Welt beschaffen. In Dienstleistungsbereichen, wo eher Wissensarbeiter benötigt werden, wird gern mit Praktikanten und Aufstockern jongliert. So arbeiten viele Akademiker wie Tagelöhner zu Stundensätzen, für die sich kein Handwerker bemühen würde.

«L’Horreur économique» nannte schon Viviane Forrester 1996 in ihrem gleichnamigen Essay die neuen kleinen Zeiträume, in denen der Einzelne verkapselt und nach Gebrauch entsorgt wird. Damals wurde ihre Analyse als abstruser Zukunftspessimismus zerrissen. Sie war nur Essayistin und nicht ChefökonomIN bei irgendeinem Konzern oder renommierten Wirtschaftsinstitut. Dafür hatte sie jedoch die Freiheit, auch politisch unbequeme Fakten öffentlich formulieren zu können. Damals, vor knapp 20 Jahren, wurde sie von den Experten als haltlose Schwarzmalerei zerrissen.


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    Der nächste Auszug folgt demnächst.


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ÜberAngelica Laurencon

Dr. Angelica Laurencon lebt und arbeitet in Berlin und Clermont-Ferrand als Mentorin und Unternehmensberaterin. Als Dozentin
für internationale Masterstudiengänge im Internationalen Management gibt sie ihr Praxiswissen an die zukünftige Managergeneration weiter und begleitet sie als Mentorin für Community Management, Learning Management Systems und Workforce Marketing.

Sie ist Gesellschafterin und Mitbegründerin von connect2communicate und Expertin für Wissenstransfer 2.0 und Learning Management im interkulturellen Kontext.

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