Anders denken #VUCA (II/07)



Die Webökonomie ist überall

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Alle Bereiche der Wirtschaft arbeiten heute direkt und indirekt mit den neuen Kommunikationstechnologien. Selbst der Landwirt arbeitet mit Geolocation Software, denn er kämpft seit Jahren mit den VUCA-Märkten und muss ständig neu aufrüsten.

Ob in Unternehmensdienstleistungen, im E-Commerce, in der Logistik oder im Gesundheitswesen, überall kommen Software, Hardware und das Internet zum Einsatz, beschleunigen Prozesse und reduzieren Kosten, Arbeitszeit und Personal. Die Webökonomie betrifft also nicht nur die Business 2.0-Bereiche, sondern erfasst alle ökonomischen Transaktionen der Gegenwart, überall und gleichzeitig.

In Afrika werden Transaktionen einschließlich Online-Banking über das Handy, Satelliten und verschiedene Zwischenstationen erledigt. Ganze Kohorten werden in wenigen Stunden für den europäischen Arbeitsmarkt zusammengestellt und eingeschleust. Nicht alle kommen gut an, aber aus der Masse beziehen die Mittelsmänner der Schwarzarbeit immer noch genug Arbeitskräfte für die Baustellen, Küchen und Sexfabriken der ganzen Welt. Gleichzeitig vollzieht sich der Übergang von der post-market era in die on-demand era, auch neben den industriellen Vorzeigemodellen, wie die deutschen Top10.

Hinzu kommt die schnelle Entwicklung der Internet der Dinge (IoT). Intelligente Maschinen arbeiten besser und schneller. Die Mehrheit der Erwerbstätigen wird somit mit dem Blick aus den oberen Chefetagen überflüssig und bestenfalls kurzlebiges Produktionsmaterial, mit begrenzter Verwertbarkeit. Solange sie noch kurzfristige Profite erwirtschaften, sind sie Teil der Produktionsprozesse. Sobald es jedoch kostengünstigere Lösungen gibt, werden sie ausgesondert. Das ist das Erfolgsgeheimnis der Textilbranche, der Bauunternehmer, der Nahrungsmittelindustrie und der Automobilindustrie. Sie wissen schon heute, dass sie die Arbeitnehmer von heute morgen komplett auswechseln werden.

Diese Trends gehen aber noch nicht in die Richtung der Massenarbeitslosigkeit, zumindest nicht in Nordeuropa. Jobs wird es weiter geben. Im DA-CH werden auch immer wieder neue Jobs geschaffen, vor allem in der Dienstleistungsbranche. Die Arbeitslosigkeit sank in Deutschland, aber die Zahl der Festanstellungen ging ebenfalls zurück.

Nach der Finanzkrise 2008 wurden in den USA massenhaft Stellen abgeschafft. Kurze Zeit später ging das Geschäft weiter, business as usual. Das Jobwunder bestand aus Freelance- Jobs.

Proaktive Wissensarbeiter sehen in dieser strukturell bedingten Freistellung eine Chance, endlich selbstorganisiert leben und arbeiten zu können. Die Frage, wie komme ich zu Aufträgen, ist für sie bereits geklärt. Anstatt ihre Kreativität, Innovation, ihr Wissen und ihre Energie in Unternehmen einzusetzen, versuchen sie sich selber dahin zu orientieren, wohin sie die VUCA-Welt spätestens in fünf Jahren bringen wird.

Sie sind sich der kurzfristigen Haltbarkeit ihres Wissens bewusst und bereits in der Mehrwissensgesellschaft angekommen. Auf dem Weg dahin haben sie Worte wie sicher, Sicherheit, Versicherung oder Absicherung endgültig aus ihrem Vokabular gestrichen. Nichts ist sicher, und schon gar nicht die Arbeit, aber vieles wird wieder machbar. Es ist die Zeit der „Makers“.

In der VUCA-Ökonomie sollte man deshalb mehrere Instrumente beherrschen. Galt in den letzten Jahrzehnten das Multitasking noch als potentieller Dilettantismus oder Engpassgenerator, so hat die VUCA-Welt die Debatte zwischen hochspezialisierten Experten und slashers de facto entschieden.

Die slashers der Generation 1,2,3 haben verschiedene Kompetenzen, üben sie oft gleichzeitig aus und finden in diesen vielfältigen Aktivitäten ihre Sicherheit in der Freiheit. Sie wissen, wo sie die Jobs finden und nutzen die Sozialen Online-Plattformen für Business professionell, d.h. suchmaschinenoptimiert.

Diese kleine Minderheit hat den Paradigmenwechsel bereits für sich genutzt. Sie sind die early adaptors der VUCA Arbeitswelt, die sie nicht verändern wollen und können, aber an die sie sich individuell oder in Mikrostrukturen anpassen. Den Paradigmenwechsel haben sie bereits konsequent vollzogen und ihre professionelle Zeitlinie aus Fraktalen beweist Resilienz und nicht etwa professionelle Unbeständigkeit. Das passt nicht mehr in das Kompetenzraster der üblichen Stellenprofile und stört.

Auch das ist neu: Anders denken und handeln in Mikrostrukturen mit Mikrostrategien statt in Grossunternehmen oder Organisationen mit Best Practice Prozessmanagement.


  • Stay tuned

    Der nächste Auszug folgt demnächst.


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ÜberAngelica Laurencon

Dr. Angelica Laurencon lebt und arbeitet in Berlin und Clermont-Ferrand als Mentorin und Unternehmensberaterin. Als Dozentin für internationale Masterstudiengänge im Internationalen Management gibt sie ihr Praxiswissen an die zukünftige Managergeneration weiter und begleitet sie als Mentorin für Community Management, Learning Management Systems und Workforce Marketing. Sie ist Gesellschafterin und Mitbegründerin von connect2communicate und Expertin für Wissenstransfer 2.0 und Learning Management im interkulturellen Kontext.

Ein Kommentar zu Anders denken #VUCA (II/07)

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