4 Ks für KMUs: Let’s rock 2015!

Vier zentrale Querschnitt-Kompetenzen für das 21. Jahrhundert forderte Andreas Schleicher (OECD) bereits 2013 beim re:publica-Vortrag.

Bei den 4K handelte es sich um:

  • Kreativität
  • kritisches Denken
  • Kommunikation
  • Kollaboration

Das klingt erst einmal überschaubar. Wenn man sich aber um die eigene Achse dreht, stellt man fest: Nur wenige Menschen beherrschen ALLE 4 Kompetenzen.

Genau genommen sind wir Einzelnen mit all diesen Kompetenzen nahezu überfordert.

OK, kommunizieren können irgendwie ja alle. Aber auch so, dass es zielgerichtet effektiv und effizient ist? Welches Ziel auch immer man dabei verfolgt …

Und dann noch mit einem angemessenen Anteil an digitaler Kommunikation? Verschiedene E-Mail-Adressen, diverse Messenger und  Telefonie – wer hat hier noch verbindlich den Überblick? Jetzt mal ehrlich! Dreht euch um die eigene Achse: Wer vermag den ganzen Kram wirklich zeitgemäß einzusetzen? Nicht willkürlich, sondern strukturiert?

Hinzu kommen die stillen Benachrichtungen der verschiedenen Dienste. Erst recht der potenziell kollaborativ nutzbaren.

Wieviele Menschen kennt ihr, die wirklich und wahrhaftig verbindlich und nachhaltig kollaborativ arbeiten können? So richtig?!

Ich kenne kaum solche Menschen – und ich kenne viele Digitalist_innen. Bin mir nicht einmal sicher, ob ich es in Perfektion beherrsche. Es ist halt eine Kulturtechnik, die viel zu selten konsequent praktiziert wird. Im Berufsleben nicht – und im Privatleben eigentlich auch kaum.

Erst recht nicht in der Ausbildung eingeübt wird.

Ich weiss, wovon ich spreche. Ich habe viele Jahre Arbeitsprozessorganisation mit Web 2.0-Tools an der Hochschule gelehrt. Mit grossen Augen schauen dich die Studierenden an, wenn du ihnen die “neue” Welt zeigst. Sie, die ja eigentlich als Digital Natives gelten. Was nun wirklich gar nichts bedeutet, das wissen wir alle längst.

Denn sie kennen die Potenziale der neuen Umgebungen gar nicht – woher auch? Die Erwachsenen nutzen es nicht, weil sie noch im 20. Jahrhundert leben. Und die Jungen kennen es nicht, weil es nicht alltägliche Praxis ist.

Aber wo will man das lernen, wenn nicht in der Ausbildung – oder am Arbeitsplatz? Wir wissen, dass manche Lernkurven erst durch ein tiefes Tal schreiten, bevor sie ihr volles Potenzial entfalten. Und dies unter Zeit- und Kostendruck am Arbeitsplatz zu vollziehen? Sehr schwierig.

Wohin also? WO kann man dies in einer freien Minute lernen? Ich habe mich weltweit umgeschaut – und NICHTS gefunden. Wirklich. Null komma null. Man kann es nicht lernen. Zumindest nicht gezielt beiläufig. Unabhängig davon, ob man bereit wäre, dafür Geld zu zahlen oder nicht. Es gibt nichts.

Es ist ja nicht damit getan, ein Etherpad zu eröffnen und dann loszuschreiben. Das kann jede_r. Nur: Es braucht mehr. Nämlich Arbeitsprozesse, Work Flows, neue Work Flows, die standardisiert auf Zuruf angeworfen und selbstverständlich gelebt werden. Mit Sinn und Verstand – und vielleicht auch etwas Humor.

Wir halten euch auf dem Laufenden.

Also, was bleibt? Wir bei ununi.TV beginnen nunmehr damit, an den ersten Ks der 4K-Theorie zu arbeiten. Praxisbezogen. Und nicht nur intern, sondern wir zeigen auf Wunsch allen Interessierten da draussen, was heute so geht. Und wie man es etabliert. Und selbstverständlich nutzen kann.

Nicht als individuelles Spass-Projekt für den Freizeit-Kontext. Sondern: Wir arbeiten an einer Lern- und Arbeitsumgebung, die optimiert ist für kleinste Unternehmen. Denn für diese gibt’s erst recht nichts. Und sie haben auch keine Fortbildungsabteilungen. Oder Human Resources-Manager_innen, die vorauseilen.

Diese Klein(st)-Unternehmen haben überhaupt nichts – außer idealer Weise viel Arbeit. Und Rechner. Und vielleicht auch den Willen, sich agil aufzustellen. Um mobil und zeitgemäß und damit attraktiv für Arbeitnehmer_innen und Kunden zu arbeiten. Darauf konzentrieren wir uns jetzt. Bzw. bereits den Winter lang.

Und bald, sehr bald starten wir mit unserem ersten Angebot. An weiteren K-Kompetenzen arbeiten wir zudem. Aber zunächst, hier entlang, bittschön! Wir wandeln unsere bisherige Rundschau um in The NeWoS. Und informieren dort über aktuelle Diskussionen und Entwicklungen im Bereich New Work Flows:

newos_logo

Fazit

Die 4 zentral erforderlichen Querschnitt-Kompetenzen im 21. Jahrhundert (Kreativität, kritisches Denken, Kommunikation und Kollaboration) werden vom bestehenden (Weiter-)Bildungssystem nur unzulänglich bedient. Die Firmen müssen sie selbst systemisch ausbilden (i.S.v. ausprägen), um das ihnen zur Verfügung stehende Potenzial möglichst schnell für ihre eigenen Zwecke nutzen zu können. Angesichts der rasanten Entwicklungen in der VUCA-Welt besteht unmittelbarer Handlungsbedarf, will man übermorgen als Unternehmen noch konkurrenzfähig sein.

ÜberAnja C. Wagner

thinker, networker, human | .edu .ux .politics | co-founder of @frolleinflow & initiatorin @ununitv | weitere infos hier: http://acwagner.info

4 Kommentare zu 4 Ks für KMUs: Let’s rock 2015!

  1. Hallo Anja,

    ich kann dir nur recht geben. Ich denke auch, dass die 4Ks sehr wichtig sind und meine auch das einigermaßen erfüllen zu können (bescheiden wie ich bin). Die große Frage ist dabei, wie kriege ich das in die Firma rein und da gibt es nur eine Antwort: Man muss es selbst vorleben!

    Es sind viele Kleinigkeiten, die das Gesamtbild ergeben. Ich kann ja nur für uns sprechen, aber wir machen jetzt Powerpoint Karaoke und ein internes Barcamp für unseren Jahresrückblick. Im Vorfeld produziert jede Abteilung Videos, ähnlich dem xMOOC. Jeder muss vor der Kamera reden oder was produzieren. Unsere ISO Zertifizierung ist in einem Wiki und jeder hat zwei Monitore und ein Tablet (auch für private Nutzung). Papier ist bei uns verpönnt, wir fördern aktiv Weiterbildung bei allen Mitarbeitern etc.

    Wer selber digitale Weiterbildungsangebote verkauft, muss sie auch anwenden oder ganz simpel gesagt: “Ein Vegetarier kann kein Fleisch verkaufen.”

    Man muss es immer praktisch vorleben und ausprobieren. Theorien funktionieren in der VUCA Welt nicht mehr, das ist alles sehr autodidaktisch und mutig.

    Ich denke auch daher, dass wir hier an einem Change angelangt sind. Es geht hier nicht um Arbeitstechniken, sondern um eine Philosophie und das bedeutet Leitbild. Daher machen mir auch die Hochschulen Sorgen, da sie nicht reformfähig sind. Das ist aber egal, denn irgendwas wird diese Lücke schon füllen.

    Grüße aus dem Norden
    Andreas

    • Anja C. Wagner sagt:

      Hallo Andreas,

      danke für deinen Kommentar. Das ist in der Tat sehr unbescheiden, zu behaupten, man erfülle die 4 Ks 😉 Ich denke nämlich, da haben wir ALLE noch gehöriges Entwicklungspotenzial. Aber anyway …

      Bzgl. der Hochschulen gebe ich dir recht. Deshalb interessieren sie mich auch gar nicht mehr. Zumal sie mit viel zu vielen Fördergeldern und Subventionen ausgestattet sind, so dass sie ja auch gar keinen Reformbedarf verspüren.

      Was mich hingegen interessiert, sind kleine Unternehmen, die etwas wagen und versuchen. Und interessiert daran sind, die Potenziale zu nutzen. Und ich weiss aus meiner Lehrerfahrung, dass man die Vorteile des kollaborativen Arbeitens sehr wohl über Workflows persönlich erfahren kann. Man muss die Vorteile regelrecht körperlich spüren – und das kann ich provozieren.

      Insofern ist es nicht nur ein (theoretisches) Leitbild, sondern ein praxiserprobtes Erlebnis, das ich anbieten und dann verstetigen kann. Und daraus entwickelt sich dann eine eigene Philosophie des Unternehmens. Irgendwann. Es muss halt gelebt werden – da sind wir uns einig.

      Cheers, Anja

  2. Ich weiß nicht genau, ob es immer so ist, aber es ist oft so, dass erst eine Knappheit eine wirkliche Innovation erzwingt. Knappheit an Personal, an Kunden, an Geld, an Räumen, egal: Man muss sich etwas einfallen lassen und das Problem fördert die Denkrichtung.
    Studenten machen sich Gedanken, wie sie bei Zeitknappheit die Prüfungen leichter oder besser bestehen. Die entsprechenden “Innovationen” sind dann volkswirtschaftlich eher wertlos 😉
    Ich stehe auch unter dem Eindruck, dass die “Digital Natives” zu wenig Berufs- und Lebenserfahrung haben, um den wirklichen Nutzen neuer Techniken zu begreifen. Bildung für Kinder und Jugendliche wird an allen Ecken und Enden gefördert, damit sie den “zukünftigen” Märkten und Lebenswelten gewachsen sind. Wir sollten die Generation, die jetzt erwachsen ist, nicht auslassen, die sind entscheidend für die praxisnahe Implementierung der einen oder anderen Innovation.
    Ich habe mich manchmal gewundert, dass Leute nicht einmal verstehen wollten/ konnten, warum ein Buch wie “Connected Company” mich fasziniert.

    • Anja C. Wagner sagt:

      Ja, da gebe ich dir unumwunden recht, Brigitte. Wenn wir uns gesellschaftlich möglichst schnell auf die Anforderungen des 21. Jahrhunderts einstellen wollen, müssen wir alle Altersklassen mitnehmen. Vor allem in der “mittelalten” Generation muss ein radikales Umdenken her: In Richtung einer Öffnung hin zu den Potenzialen und weg von der Gefahren-Diskussion des Netzes für unsere Zukunft.

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